Mindnapping 1 – Auf gute Nachbarschaft

Nach dem Tod seiner Eltern fällt der Schriftsteller Hank Lewis in ein tiefes Loch. Bis ein mysteriöser Fremder in das Nachbarhaus einzieht.
Hank hat von nun an keine ruhige Minute mehr. Der neue Nachbar scheint ihm nachzustellen und schreckt auch nicht vor Gewalt zurück. Was ist das Motiv des Fremden? Während eines Unwetters kommt es zum grauenvollen Finale …

Der Name Patrick Holtheuer hat bis vor kurzem noch wenigen etwas gesagt. Trotzdem war er bekannt, fast berüchtigt, für seine Hörspielkritiken. Unter dem Namen Captain Blitz, mit dem er seit Jahren im Netz aktiv ist, kennt ihn der Großteil der Hörspielszene. Nun ist er mit seinem Label Audionarchie selbst unter die Macher_innen gegangen. Die erste Serie des Labels, „Mindnapping“, soll den Anspruch haben, dem Markt etwas vollkommen neues zu bieten, etwas anderes als abgedroschene Monsterjägergruselendloshörspielserien. Bei „Mindnapping“ geht es um wirklich gute Thriller in Hörspielform. Und das gab es tatsächlich noch nicht so oft. Zwar war im letzten Jahr die Serie „Darkside Park“ von Ivar Leon Mengers Psychothriller GmbH unheimlich erfolgreich, doch handelte es sich dabei um Lesungen, kein inszeniertes Hörspiel. Es wird also interessant zu sehen, ob die Serie die vollmundigen Versprechen halten kann.
Was Audionarchie von anderen Newcomerlabels stark unterscheidet, ist die schon zu Beginn professionalisierte Arbeitsweise. Holtheuer hat nicht den Großteil der Produktion vom Skript über Regie bis zum Schnitt übernommen, er hat viel mehr seine Kontakte genutzt, um diese Arbeiten an fähige Menschen aus der Szene zu delegieren.

Die Story der ersten Folge, „Auf Gute Nachbarschaft“, ist gut durchdacht und bringt auch ein gewisses Maß an Innovation. Holtheuer hat die Idee zusammen mit Marcus Görner entwickelt, dieser hat das Skript dazu geschrieben und zusammen mit ihm Regie geführt. Leider ist die Story recht schnell zu durchschauen, wodurch kaum Spannung aufkommen kann. Obwohl die Idee bisher seltener gebraucht wurde ist sie doch in einigen populären Werken im Film-, Buch- und sogar Hörspielbereich (welche, das werde ich hier natürlich nicht verraten) verwendet und in den meisten Fällen etwas geschickter konstruiert. Das ist wirklich schade und an sich der allergrößte Kritikpunkt.
Trotzdem sind die Dialoge gut geschrieben und schaffen es, innerhalb der kurzen Spielzeit die Charaktere deutlich zu zeichnen.

Bei der Sprecher_innenriege handelt es sich zwar nicht um die erste Reihe aus Hörspiel und Synchron (was mensch von einem Captain Blitz vielleicht sogar erwartet hätte), Holtheuer hat allerdings viele professionelle Sprecher_innen verdingen können, die hervorragend sind. Es fiele mir schwer, überhaupt jemanden hervorzuheben, alle interpretieren ihre Rollen großartig und füllen die Figuren mehr als gut aus. Es sprechen Sascha Rotermund, Reinhilt Schneider, Jan-David Rönfeldt, Detlef Bierstedt, Stephan Chrzescinski, Gordon Piedesack und John Ment. Besonders Konrad Halver als Montgomery Brewster zu hören ist toll.

Für Schnitt, Sounddesign und Musik wurde Dirk Hardegen „eingekauft“. Dieser hat zur Produktion der ersten zwei Mindnappingfolgen sogar das nächste Projekt bei seinem eigenen Label Ohrenkneifer verschoben. Und einen hervorragenden Job gemacht. Seine letzte kommerzielle Arbeit, Road to Hell, hatte noch einige Ecken und Kanten. „Auf gute Nachbarschaft“ ist wirklich eine schöne runde Sache geworden. Der Dialogschnitt sorgt für guten Fluss und die Geräusche machen das Hörspiel sehr plastisch.
Die Musik, größtenteils bestehend aus unheimlichen Synthieklängen, ein paar synthetischen Orchesterinstrumenten und treibendem Schlagwerk, macht den Klang und die Atmosphäre perfekt. Hardegen mit all dem zu beauftragen war eine grandiose Wahl.

Fazit: Obwohl der erste Teil von Mindnapping eigentlich qualitativ sehr hochwertig ist, krankt es am wichtigsten Teil für einen Thriller: an der Story. Ansonsten ist das Hörspiel ein gelungener Einstieg ins kommerzielle Hörspiel. Das liegt vor allem daran, dass Patrick Holtheuer eher Koordinator als Künstler innerhalb der Produktion ist und verdammt fähige Leute für sich engagiert. Das erlaubt ihm, eine viel bessere Qualität als manch anderes kleine Label vorzulegen. Was seinen Vorsatz angeht, den Markt ein wenig aufzuschütteln, so hoffe ich, dass es klappt. „Auf gute Nachbarschaft“ ist ein sehr guter Ansatz. Es ist nicht unglaublich unkonventionell, aber eines der wenigen Projekte, die mensch in Anlehnung an den Filmmarkt als Indieproduktion bezeichnen könnte. Es ist Audionarchie (ich könnte ja noch Romane über den offensichtlich vollkommen falsch verstandenen Anarchiebegriff schreiben, der zu diesem Labelnamen geführt hat) zu wünschen, dass sich Mindnapping immerhin so weit rechnet, dass die regelmäßigen Veröffentlichungsvorhaben eingehalten werden können.
Mindnapping 1 – Auf gute Nachbarschaft gibt es als phyischen Tonträger bei pop.de und auch auf den bekannten Seiten (Amazon, iTunes) zum Download.

Bewertung: 12/15

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Digitalisiert!

Eigentlich wollten die Jungs von Virtual Dimension nur ganz entspannt ihren neuen Pool auf der Dachterrasse ihres Wolkenkratzers genießen… Doch schneller als sie es begreifen können, sind sie mitten in Ihrem größten Abenteuer: Sie werden DIGITALISIERT!
Fortan treffen sie auf viele Absonderlichkeiten, die sich nur im Inneren eines echten Nerd-Computers finden können. Eins ums andere Mal geraten sie in höchst gefährliche Situationen. Ob sie je wieder aus dem Computer herauskommen? Und wo sind eigentlich ihre Frauen?

Am 19. Februar werden die Mindcrusher Studios ein neues Hörspiel veröffentlichen, das sie zusammen mit Virtual Dimension produziert haben. Bisher waren zwei Teile davon im Phantastic Fiction Podcast der Mindcrushers zu hören, ich hatte allerdings das Privileg mir vorzeitig das Gesamtwerk zu Gemüte zu führen.
Die Mitglieder von Virtual Dimension, fünf ziemlich nerdige und sympathische Zeitgenossen, sind nicht nur für den Großteil der Produktion verantwortlich sondern auch deren Protagonisten. Wahrscheinlich geht es bei ihnen im wahren Leben nicht so zu wie im Hörspiel, den Traum vom eigenen Wolkenkratzer mit Pool im Wintergarten und Cocktailküche sei ihnen aber gegönnt. ;) Tatsächlich haben sie seit ihrer Gründung vor 20 Jahren einiges im Medienbereich vollbracht, von Amigademos über Szenevideos bis in zu Hörspielen zusammen mit dem SF-Radio.

Ihre Abenteuer im Inneren eines selbstgebauten Speicherkürbises strotzen nur vor nerdigen Zitaten, Wortwitz und Anspielungen auf oldschool-Computerspiele und objektorientierte Programmierung. Damit ist auch die Zielgruppe ziemlich klar: Am meisten Spaß haben alle, die noch einen C64 bei sich herumzustehen haben und ein wenig über das Programmieren bescheid wissen.

Die Sprecher_innen, also vor allem die Mitglieder der Virtual Dimension, scheinen öfter für Video- und Audioprojekte zu sprechen, beim Spielen im Hörspiel sind sie teilweise etwas unsicher. Sie sind aber thematisch vollkommen in ihrem Element und die Art zu sprechen hat einen authentischen Charme. Als Erzähler spricht Lars Havemann, auch die kleineren Rollen wurden mit Mindcrushern besetzt, die ihren Job gut machen.

Der Dialogschnitt ist sehr flott und dynamisch, die Geräusche und Sounds wirklich gut gemacht. Dadurch wird für das gesamte Hörspiel einen angenehmen Fluss generiert, was die kurzweilige Story noch verstärkt.
Die Musik des Hörspiels passt sich wunderbar ein. Im Stil von 80er-Jahre Videospielen besitzt sie einen hohen 8-Bit-Anteil, noch ein Charmepunkt für Geeks. Ansonsten erklingt treibender, ziemlich guter Elektro.

Das Cover ist auf den erste Blick etwas seltsam, fängt aber schon die Athmosphäre des Hörspiels ein. Es ist eine Mischung aus Paint, 3D-Simulation und bekannten Spielesymbolen. Die Protagonisten sind außerdem ziemlich gut getroffen.

Fazit: Digitalisiert! ist ein mordspaß für Geeks, Nerds, Programmierverständige und Retrogamefans. Alle anderen haben sicherlich auch ihren Spaß, werden wahrscheinlich aber nicht alles komplett verstehen. An und für sich ist das nicht schlimm, die temporeiche Geschichte ist abgefahren genug, um darauf verzichten zu können. Die Freude, die Jan Haas, Hagen Hamann, Markus Holler, Dennis Pauler und Michael Sacher beim Sprechen und bei der Produktion hatten, merkt mensch dem Hörspiel an. Gegen Ende werden leider kurz platte und unnötige Geschlechterklischés bedient. Das lässt sich aber für den Augenblick ignorieren. Insgesamt ist Digitalisiert! aber ein riesiger Hörspaß, den ich nur empfehlen kann.
Ab dem 19. Febuar gibt’s das Hörspiel bei den Mindcrusher Studios zum freien Download. Ich werde den Link dann hier reinsetzen. Bis dahin könnt ihr euch einen kleinen Teil im Phantastic Fiction Podcast anhören.

Update: Fortan könnt ihr Digitalisiert frei herunterladen.

Bewertung: 12/15

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JanuarFlattr

Hallo ihr!

Im Januar wurden mir genau 12 Cent zugeflattrt, was weiter gar nicht schlimm ist, weil ich mich immer noch im Plus befinde und den Account eigentlich für’s Geldverteilen eingerichtet hab. Ich danke aber für die geflattrten Artikel und die stetigen Visits.

Diesen Monat sage ich auch gar nicht viel mehr. Wobei… doch. Eins noch: Ich werde auf der Leipziger Buchmesse sein, wahrscheinlich alle vier Tage in der Halle 3 bei den Hörspielen und -büchern rumhängen. Und ich kann allen nur empfehlen, selbiges zu tun. Ich würde mich freuen, die eine oder den anderen dort zu treffen. Bis denn!

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Horrorhaus 2 – Don E.

Wie weit würdest Du gehen, um Deinen Traum zu erfüllen? Der erfolglose Schauspieler David Bernett denkt, er würde die Antwort auf diese Frage bereits kennen. Doch erst, als er den Geschäftsmann Don E. trifft, wird ihm von Auftrag zu Auftrag klarer, wie weit er in Wirklichkeit bereit ist zu gehen.

Mit dem zweiten Hörspiel von fear4ears setzt Labelchef Sönke Strohkark seine Horrorhausreihe fort. Und wieder handelt es sich um eine Horrorgeschichte, die seine vier Dogmen erfüllt. Wieder wurden alle Geräusche extra für dieses Hörspiel aufgenommen, ein Erzähler wird nicht eingesetzt, auch ein Happy End gibt es nicht und es fällt erneut der Satz “Es geschehen ja scheinbar noch Zeichen und Wunder”.
Da das Hörspiel diesmal 100 Minuten lang ist, ist es auf 2 CDs verteilt.
Entgegen dem Ankündigungstext geht es nicht so sehr um Träume, sondern eher um Existenzängste, Geldknappheit und risikoreiche Phantasien, die unheilvolle Folgen auf die Realität haben.

Die Story besteht sozusagen aus mehreren Episoden, Aufträgen, die Don E. an Bernett vergibt. Dadurch wird die gesamte Geschichte recht lang, teilweise etwas unnötig. Mit klugen Kürzungen hätte die Spannung besser aufrecht erhalten werden. Interessant ist die Geschichte des Eddie, der nach und nach aus der Rolle des Sidekicks heraustritt und mit seiner Vergangenheit strukturgebend für die Story wird. Trotzdem tauchen in den einzelnen Abschnitten so viele Details auf, die dazu noch teilweise recht weit hergeholt scheinen, dass die Gesamtgeschichte zwischendurch verwäscht und zerfranst. Trotzdem fügt sich zum Ende alles zum versprochenen Bad End. Für alle Beteiligten.

Die Leistung der Sprecher_innen ist ganz unterschiedlich zu bewerten. Christian Senger ist in seiner Hauptrolle ganz großartig, auch Markus Haase als Eddie spricht toll. Jan Krogmann setzt bei seiner Rolle des Don E. zu sehr auf diablische Kälte, hätte etwas lebhafter spielen können. Die anderen Beteiligten, größtenteils unbekannt, sind mal gut, mal weniger. Dirk Hardegen, selbst Inhaber eines kleinen Hörspiellabels, unterstützt Strohkark mit seiner Stimme übrigens ebenso wie Martin Sabel, der als prominenterer Sprecher einen Gastauftritt gegen Ende hat.

Die laut Dogma 1 selbt gesammelten Geräusche passen sich gut in den Schnitt ein. Wahrscheinlich hätte der Dialogschnitt etwas dichter sein und das Hörspiel dadurch noch einiges an Fluss gewinnen können. Gepaart mit der ausufernden Geschichte bremst dieser Aspekt immer wieder aus.
Die Musik ist eine Mischung aus elektronischen Synthieklängen und Streichern, wie sie in vielen Produktionen vorkommen. Damit unterstützt sie die Atmosphäre, ist aber nicht besonders oder bemerkenswert.

Fazit: Was dem ersten Teil der Serie, Owls Creek an ausgeklügelter Story fehlte, wird hier doppelt so stark gebracht. Allerdings hätte das Skript einige gute Kürzungen vertragen können. Dadurch kommt leider auch nicht die Atmosphäre der ersten Folge auf. Um das richtige Maß zu finden, bedarf es anfänglich einiger Übung, die Strokark anscheinend noch nicht hat. Trotzdem ist Don E. ein Hörerlebnis, das anders als viele andere Hörspiele daher kommt und sich durchaus lohnt, trotz der wenigen handwerklichen Ecken und Kanten. Und genau diese sorgen wiederum für eine gewisse Sympathie.
Don E. wird von pop.de, dem führenden Hörspielhändler im Internet, vertrieben und kann dort (mittlerweile preiswerter)käuflich erworben werden.

Bewertung: 10/15

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Lightstreams 2 – Charlotte

Ein junges Leben zu retten ist eins der höchsten Ziele der Medizin. Doch rechtfertigt dieses Ziel auch wirklich alle Mittel? Charlotte Little ist 20 Jahre alt und liegt seit ihrem elften Lebensjahr im Koma. Ein neues Medikament könnte sie heilen! Doch zu welchem Preis?

In der zweiten Folge ihrer „Lightstreams“ widmen sich die Mindcrusher Studios der Medizin. Die Geschichte stammt dieses Mal von Stefan Müller, den Schnitt hat Oda Plein übernommen. Trotz der steten Umbesetzung in der Produktion fügt sich die Folge Atmosphärisch, vor allem dank der Musik von Markus Holler und den Sounds und Effekten von Jan Boysen wunderbar an den ersten Teil der Reihe an. Genau diese Dynamik im Produktionsprozess ist von den Macher_innen gewollt. Die Geschichten von verschiedenen Autor_innen zu vertonen ist Kern des Konzepts. Und eines haben alle Stories gemeinsam: Sie loten die Grenzen der Realität aus, überschreiten sie offen, aber oft auch unbemerkt und stellen sie damit grundsätzlich in Frage.

Worum es in der Folge geht, wird schon durch den Ankündigungstext verraten. Das eigentliche Problem der Geschichte ist, dass Charlotte nicht nur erwacht und ihr altes Leben wieder aufzunehmen hat, was schwierig genug wäre, sondern dass sie entweder durch das Koma oder durch das Medikament, das sie wieder erweckt hat, seltsame Kräfte und damit eine unglaubliche Macht bekommen hat. Sie muss sich also nicht nur (aus ihrer Sicht) von heute auf morgen als Elfjährige in die gesellschaftliche Rolle einer Zwanzigjährigen finden, sie muss auch genug Reife aufbringen, um ihre neuen Fähigkeiten nicht schamlos auszunutzen.
Was Stephan Müller hier entwirft, ist eine bedrückende Dystopie, der Untergang der menschlichen Kultur aus verdammt niederen Motiven. Und das auf eine Art, die so verrückt (und unverbraucht) ist, dass mensch nur staunen kann. Genau diese Art von Gedankenspiel machen die Lightstreams so interessant, so innovativ. Dabei geht die Geschichte in eine komplett andere Richtung als die der ersten Folge.

Die Sprecher_innen sind leider nicht so gut wie die der ersten Folge. Markus Raab ist wieder großartig in seinem Intro und Outro als Bewahrer. In der eigentlichen Geschichte gibt es aber einige Dialoge, die unnatürlich wirken und die Intention des Textes verfehlen. Das liegt vor allem an den kleineren Rollen. Tabitha Hammer und Michael Gerdes in den Hauptrollen kann mensch keinen Vorwurf machen, sie sprechen souverän. Trotzdem trüben die Dialoge drum herum den Höreindruck.

Der Schnitt ist gut gemacht, da gibt es nichts zu meckern. Vielleicht hätte Plein mit dem Dialogschnitt die Dialoge, die unnatürlich scheinen noch ein wenig retten können, allerdings ist das nur Spekulation. Bei ihrer Erfahrung hat sie wahrscheinlich das Möglichste versucht und dadurch schon einiges ausgebügelt.
Besonders typisch und einzigartig in der freien Hörspielszene ist die Verschmelzung von Geräuschen und der experimentellen Musik, die in die Richtung des Elektroakustischen geht. Das funktioniert wieder hervorragend und weist das kurze Hörspiel durch die entstehende surreale Atmosphäre unmissverständlich als Lightstreamfolge aus.

Ein paar kurze Worte noch zum Cover von Sebastian Hartmann. Es sieht nur auf den ersten Blick wie das Cover der ersten Folge aus, nur mit einem anderen Titel darauf. Zwar ist das Hauptelement, das Auge, stets gleich, doch erfährt der Hintergrund immer wieder subtile Änderungen, die auf die Geschichte der Folge Bezug nehmen. Sehr schön gemacht.

Fazit: „Charlotte“ gibt wieder zu denken auf. Die Geschichte hat nicht so viel mit subjektiver Realitätsverschiebung zu tun wie die anderen Folgen, zeichnen aber ein bedrückendes Szenario, das entweder ewig weit hergeholt ist, andererseits auch nur noch einen Forschungsschritt entfernt sein könnte. Wer weiß? Auch wenn die Umsetzung durch die Sprechleistung der Nebencharaktere nicht ganz so gut geworden ist, lohnt es sich unbedingt, diese knapp zwanzigminütige Folge zu hören. Die Mindcrushers haben erneut einen Hörtrip produziert, der noch länger an einem nagen wird. Wer Lust auf dieses Erlebnis hat, kann sich das Hörspiel frei herunterladen.

Bewertung: 12/15

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Flattr im Dezember – Frohes neues Jahr!

Hallo ihr!

Es ist der 10. und die detaillierten Flattr-Ergebnisse des Vormonats sind draußen.
Diesmal waren’s stolze 21 Cent. Was soll’s, im Vormonat gab’s umso mehr und außerdem freue ich mich, dass es anscheinend (so zeichnet es sich schon seit geraumer Zeit ab) neben Gelegenheitsflattr_innen eine Person gibt, die regelmäßig flattrt.

Einiges kam auch durch den zweimannblog rein, unter dessen Label ich ja das Hörspiel „Kindergeburtstag“ veröffentlicht habe.

Allen, denen ich noch kein frohes neues Jahr gewünscht habe, möchte ich auf diesem Wege, jetzt und hier, diesen Wunsch laut und freudig entgegenrufen. Mal schaun, was 2011 hörspielmäßig bringt. Wird der Markt wie befürchtet zusammenbrechen? Werden kleine und große Produktionsfirmen und Studios sterben, Neugründungen zurückgehen? Wahrscheinlich. Um einige wird es schade sein, um andere überhaupt nicht. Aber eines kann ich versprechen: Der freie Hörspielmarkt wird weitermachen wie bisher, wahrscheinlich noch engagierter und vielfältiger.

Darüber hinaus habe ich mich entschieden, jetzt jeden Post auch per Microblogs zu verbreiten. Früher hab ich das nicht gemacht, allerdings hab ich bei anderen Blogs festgestellt, wie angenehm es ist, nicht immer ins Blog schauen zu müssen (RSS-Feeds mag ich nicht so sehr), sondern auf Twitter oder noch besser auf identi.ca über Neues bescheid zu bekommen.

So, ihr hört zwischen den Rezensionen und Ankündigungen dann erst wieder um den 10. Februar von mir.
Bis dahin, alles Gute!

Euer Pandialo

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Der erste Schnee

der erste schnee

Was bist Du bereit, für diejenigen aufzugeben, die Du liebst?
Wie weit, bist Du bereit zu gehen?
Bist Du bereit zu töten?
Bist Du bereit zu sterben?
Sie sind es…

Fast pünktlich zu ersten Schnee des letzten Jahres brachte Hoerspielprojekt.de „Der erste Schnee“ heraus. Die Geschichte stammt von Franjo Franjkovic, der schon seit einer Weile für gute und verglichen mit dem Mainstream unkonventionellere Skripte b-ekannt ist, etwa für „Death and Salvation“ oder den zweiten Teil der Parapolreihe. Den Rest, also Regie, Schnitt und die Musik, übernahm Marc Schülert, der bisher nur als Sprecher, auch in Funk und Fernsehen, zu hören war.

Sollte mensch das Hörspiel beschreiben, so träfe am ehesten zu, es als „Variantkammerhörspiel mit Rückblicksequenzen“ zu bezeichnen. Oder als Science-Fiction-Drama-Hörspiel mit starkem künstlerischen Anspruch.
Inhaltlich geht es um eine Notsituation auf einer Forschungsstation auf einem rohstoffreichen Eisplaneten, weit von der Erde entfernt, die zwei Personen parallel erleben, ohne sich zu begegnen. Das Skript lässt intelligent vieles offen, so zum Beispiel, warum sich beide nie begegnen, obgleich sie doch in der Geschichte des_der anderen eine so große Rolle spielen. Zwischendurch erfährt der_die Hörer_in in Rückblicken die tragische Vorgeschichte der beiden Protagonist_innen. Viel mehr sei nicht verraten, nur, dass die beiden parallelen Handlungsstränge, die sich so ähnlich sind, also entweder Varianten derselben Geschichte oder in alternativen Realitäten, Universen oder was auch immer, passieren, sich zum Schluss wieder zusammenfinden.
Diese Erzählstruktur macht das unvorbereitete Hören schwerer, als es sein müsste, aber auch umso interessanter. Trotz des SciFi-Settings steht der dramatische Aspekt, die klaustrophobische Enge sowohl des physischen Raumes als auch des Spielraumes der lebenswichtigen Entscheidungen, die beide treffen, dabei persönliche Prämissen und ethische Fragen gegeneinander abwägen müssen, manipuliert von der Bordintelligenz, im Fordergrund und machen das Hörspiel zu einem unbequemen, aber sehr interessanten Nervenkitzel.

Die Sprecher_innen setzen das Skript toll um. Robert Frank spricht zum ersten Mal für das Hoerspielprojekt, ist aber berufstätiger Schauspieler und Sprecher. Er ist in vielen SWR-Hörspielen zu hören. Auch Karen Schulz-Vobach ist kein unbeschriebenes Blatt in der Sprecher_innenszene. Die beiden lassen durch ihre Sprechleistung die Hauptfiguren zu sympathischen Charakteren werden. Die gesamte Riege liefert eine tolle Leistung ab. Unter ihnen befinden sich auch weitere (eher in der freien Szene) bekannte Stimmen, so etwa Dirk Hardegen und Markus Raab.

Die Produktion ist wunderbar rund. Marc Schülert, der sowohl Regie geführt hat, als auch geschnitten und musiziert, hat damit ein Gesamtkunstwerk perfekt gemacht. Der Schnitt ist sauber und die Geräuschkulisse größtenteils sehr gelungen und plastisch. Zwischendurch kann es mal passieren, dass ein Geräusch zwar gut ausgesucht, aber trotzdem deplaziert klingt, was Detaileffektarbeit ist. Diese Momente sind aber so kurz, dass mensch den Mund in diesem Augenblick trotzdem nicht wieder zubekommt ob der tollen Produktionsarbeit. Was alles letztendlich nicht nur zusammenhält, sondern -schweißt, ist die Musik. Zarte Synthieflächen mit fast zerbrechlichen kleinen Melodien dazwischen, genauso zerbrechlich wie die Strukturen von Schneeflocken, aber auch die Nerven der handelnden Personen, durchziehen das ganze Hörspiel und heben es in die Ruhmeshalle des nichtkommerziellen Hörspiels 2010.

Fazit: Unbedingt anhören! Es kann sein, dass es mehr als eines Durchlaufes bedarf, um „Der erste Schnee“ wirklich zu erfassen, aber jedes Mal des Hörens lohnt sich. Die Punkte in der Geschichte, die offen gelassen werden, regen zu Nachdenken an.
Wer platte Stories lieber hat als Radiohörspiele sollte vielleicht besser die Finger davon lassen. Die Action passiert im Kopf. Umso schöner, dass die Bearbeitung von Marc Schülert dem Skript derart gerecht wird und darüber hinaus so viele Facetten hinzufügt.
Wer also Lust hat, sich ein etwas weniger konventionelles und mit viel Liebe gemachtes Hörspiel zu Gemüte zu führen, kann „Der erste Schnee“ hier frei herunterladen.

Bewertung: 14/15

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Rick Future Extra – Im Zentrum des Feldes

Inmitten eines gewaltigen Asteroidenfeldes befindet sich das terranische Großraumschiff “Die Gabriel”. Hier soll das terranische Fest “Weihnachten” gefeiert werden und sorgt gleichzeitig für unerwartete Spannungen zwischen Rick und seinen Freunden. Denn “fremde Spezies” sind bei diesem Fest offensichtlich keine gern gesehenen Gäste…

Zum Ende des Jahres überraschte Sven Matthias die Freund_innen seiner Serie Rick Future mit einem kleinen Weihnachtsspecial. Es erschien in der Extrareihe, deren Folgen handlungsmäßig nichts mit den offiziellen Staffeln zu tun haben und Raum für Experimente, Specials und das Prequel „Projekt Tantalus“ bietet.

Über die Story gibt es kaum mehr zu sagen, als im Ankündigungstext steht. Die Geschichte entspinnt sich zu einem Kurzabenteuer inklusive eines fanatischen terranischen Rassisten, der nach der Zerstörung der Erde und der Vernichtung seiner späteren Erdkolonie allen anderen Völkern des Universums misstraut, despotisch über seine Besatzung herrscht und Rick für seine Zwecke nutzen will. Zum Schluss wird dennoch Weihnachten gefeiert, soviel sei schon mal verraten. Die Botschaft des Hörspiels ist, wie für Weihnachten üblich, nicht gerade unter-, eher überschwellig, aber das sei ihm in der Atmosphäre der Feiertage gegönnt.

Neben der Stammbesetzung von Rick und seiner Crew sprechen – quasi als Gäste – Dirk Hardegen (Ohrenkneifer) und Christiane Marx (u.A. bekannt aus Parapol II) die beiden gastgebenden Terraner_innen. Die Qualität des Gesprochenen bewegt sich im Feld des Gewohnten bei Rick Future, ist also wirklich gut.

Auch Schnitt und Sounddesign ist gewohnt gut, darüber lassen sich kaum weitere Worte verlieren. Bei der Musik wurden wieder die Aufnahmen von Erdenstern und Tom Steinbrecher verwendet. Soweit ich gehört habe, gibt es nichts dabei keine neuen Stücke.
Das Cover, wie immer von Wolfram Damerius, ist hübsch und passt sowohl zur Folge als auch zur Weihnachtszeit. Im Gegensatz zu den letzten Rick-Future-Covern ist es ein wenig weicher und weniger streng gezeichnet. Allein hier lässt sich erkennen, dass es sich bei „Im Zentrum des Feldes“ um eine kleine Darreichung für Fans handelt, nicht um eine der regulären Geschichten, die in der letzten Zeit herrlich düster daherkommen.
Als Bonus gibt es im Download noch das Cover als Wallpaper in verschiedenen Formaten und die dritte Sammelkarte, diesmal mit Hubert.

Fazit: Das Weihnachtsspecial von Rick Future ist ein nettes Gimmick für weihnachtlich gestimmte Liebhaber_innen der Serie. Schon die knappe halbe Stunde Laufzeit lässt keine große Folge vermuten. Auch Storytechnisch ist sie es nicht. Eine kleine Geschichte mir kurzem Spannungsmoment, jeder Menge Moral und fröhlich-weihnachtlichem Ausgang, das würde „Im Zentrum des Feldes“ wohl beschreiben. Und genau das ist es, was die Serie neben der hohen Qualität und den tollen Geschichten ausmacht: Die Liebe zum Detail und die Bereitschaft, immer wieder etwas Schönes und Überraschendes zu bieten. Mir und vielen Anderen hat die Produktion wirklich Freude bereitet und auch ein wenig Weihnachtsstimmung. Wer dergleichen auch erleben will, kann sich das Hörspiel beim Hoerspielprojekt.de frei herunterladen.

Bewertung: 12/15

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5 3 2

Zwischen dem Zustand des gesteuerten Proletariers und des selbstständig denkenden Lebewesens, befindet sich 532 auf der Flucht durch “Metropolis”, auf der Suche nach Freiheit.

5 3 2 ist ein Hörspiel der Soundtales Productions, einer der kleineren Hörspielmacher_inneninternetcommunities. Im Grunde ist es eher eine gelesene Kurzgeschichte mit musikalischer Untermalung. Gelesen, Geschnitten und produziert hat es Sebastian Bäcker, die Story stammt von Nino Finke und Ralf Dehmann; ersterer hat mit seinem Projekt „Deied“ auch den Großteil der Musik beigesteuert.

Die Geschichte reiht sich ein in Erzählungen wie „Brave New World“ und 1984 und all ihre Nachfolger ein – die dystopische Vision eines Kontrollstaates, der das Leben eines_r jeden einzelnen vollkommen rationalisiert hat und von einer kleinen Oligarchie geleitet wird. Aber anders als in einem Überwachungsstaat gibt es bis auf ein paar Wachen keine weiteren „sicherheitsstiftenden“ Maßnahmen, da die Bevölkerung sich selbst über vorauseilenden Gehorsam, Selbstkontrolle und fehlende kritische Reflexion in Zaum hält.
Warum 5 3 2 in der Lage ist, aus diesem Mechanismus auszubrechen, ist unklar. Plötzlich ist alles anders, warum, das wird bis zum Schluss nicht erklärt. Auch gerade der Schluss lässt den_die Hörer_in vollkommen im Dunklen. Offene Enden sind vollkommen legitim, lassen sie eine_n doch über die Begebenheiten hinaus noch weiterdenken, aber diese Geschichte hat schlicht und ergreifend kein Ende, was wirklich schade ist, denn die Story ist bis dahin eigentlich eine gute. Nur findet sie ihren Sinn und ihre Bedeutung nicht.
Ein weiteres Manko am Skript ist, dass es unbedingt eines Lektorates bedurft hätte. Viele Formulierungen sind irreführend, seltsam bemüht oder schlicht und ergreifend grammatikalisch falsch. Das trübt das Hörerlebnis enorm.

Die Lesung selbst ist gut. Sebastian Bäcker hat mittlerweile Übung darin, Geschichten einzulesen, denn auch seine Reihen „Benjamin King“ und „Akte King“ sind Hörbücher bzw. Hörspiele mit immens hohem Erzählanteil. Und das hört mensch. Eine solide Leistung.

Bemerkenswert ist die Musik: Ein schöner, düsterer Klangteppich, aus dem sich von Zeit zu Zeit elektronische Stücker erheben, um dann wieder ein wenig verstörend durch die Gänge von Metropolis zu fließen. Hier holt das die Lesung noch einmal einen ordentlichen Teil der schönen Atmosphäre her.
Dadurch, dass es keine Geräusche gibt, sondern nur die Lesung mit einigen kleinen Panningeffekten, um Gedanken und Erzählstimme zu trennen, und die Musik, kann gar nicht viel über den Schnitt oder die Postproduktion gesagt werden. Es wurden keine Fehler gemacht, es lässt sich von der Warte aus alles gut anhören.

Fazit: 5 3 2 ist ein stimmungsvolles Hörbuch. Worum es eigentlich geht, die Geschichte, krankt aber gewaltig. Anfang und Mitte sind schön erzählt, das Ende gibt es nicht. Kurz vor dem Höhepunkt der Spannungskurve hört die Kurzgeschichte einfach auf. Ein offenes Ende hätte einen Ausblick darauf gegeben, was hätte passieren können, ohne dabei allzu viele Möglichkeiten offen zu lassen. Aber hier… Dazu stören die vielen Skriptfehler. Das ist wirklich schade, nicht einmal die tolle Musik kann das wirklich wieder gutmachen. Trotzdem sollte mensch einmal reinhören. Schließlich gibt es das Hörspiel, wie es sich für den nichtkommerziellen Sektor gehört, zum freien Download.

Bewertung: 9/15

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Kindergeburtstag

Heute kann ich endlich den Grund dafür vorstellen, dass ich im November so wenig rezensiert habe:

Ich habe ein Hörspiel gemacht!

Ich habe es für den Hörspieluniversum-Wettbewerb unter dem zweimann-Label, also zusammen mit einem Freund, produziert. Mangels der Konkurrenz im Wettbewerb haben wir auch gleich den 1. Platz belegt, wobei 107 von 150 Punkten auch kein allzu schlechtes Ergebnis ist.

Zwei Teenager erkunden ein verlassenes Haus. Wider Erwarten treffen sie auf einen Mann, der ihnen eine ziemlich gruselige Geschichte über sein Leben erzählt…

Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und ist ganz hübsch geworden. Ich danke ganz herzlich allen Beteiligten und wünsche mir von allen Menschen eine Menge Feedback!

Weitere Infos zum Projekt und den kosten- und sowieso freien Download gibts hier.

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