Mindnapping 3 – Der Trip

Was für fünf junge Leute eine Mutprobe im alten Oakley-Haus werden sollte, nimmt eine schreckliche Wendung. Geht es dort um? Haust dort etwas im Keller? Der Trip wird zum Albtraum! Wer wird überleben?

Nach der Doppelveröffentlichung der ersten zwei Folgen und und damit der Vorstellung seines neuen Labels Audionarchie veröffentlichte Patrick Holtheuer vor ein paar Tagen den dritten Teil seiner Reihe „Mindnapping“. Wie auch in den ersten Teilen balanciert die Geschichte auf den Nervenbahnen des_der Hörer_in, scheint ab und zu ins mysteriöse abzustürzen, um aber letztendlich doch die Wahrnehmung der Charaktere selber infrage zu stellen, nicht die Realität. Dass die Skripte von welchselnden Autoren stammen, ist teil des Mindnappingkonzeptes. Dieses Mal hat sich auch die Verantwortlichkeit im Bereich Schnitt, Musik, Mix und Mastering geändert.

Bei der Geschichte handelt es sich laut Selbstbeschreibung um eine Hommage an Jugend- und Gruselhörspiele. Meiner Meinung nach ist noch eine gewaltige Menge 90er-Jahre Teenyslasherfilmeinfluss dabei. Diese insgesamt drei Komponenten werden auch explizit im Geschehen erwähnt, Bezüge offen hergestellt, um sie ein wenig zu parodieren, ein wenig zu würdigen. Auch Bezüge zur ersten Folge gibt es am Rande.
Die Besetzung im Schreibprozess gleicht der der ersten Mindnappingfolge. Die Idee stammt von Patrick Holtheuer und Marcus Görnern, letzterer schrieb auch das Skript. Tatsächlich entspricht es wieder dem selbstgestellten Anspruch, wendungsreich und unheimlich zu sein. Die Dialoge sind gut, die Charaktere sind teilweise jedoch etwas blass, vielleicht weil auf eine gewisse Einseitigkeit zur Wiedererkennung gesetzt wurde. Für ein Hörspiel von der Länge einer knappen Stunde reicht es aber allemal. Schön und gelungen umgesetzt ist die Technik der zwei Zeitebenen, deren Beziehung zueinander Szene für Szene klarer wird und sich zum Schluss als stärker und gravierender als ursprünglich vermutet herausstellt.

Einige der Sprecher_innen sind mittlerweile fast schon Stammbesetzung bei Mindnapping. Gordon Piedesack und Stephan Chrzescinski geben wieder die zwei Cops aus der ersten Folge, auch Konrad Halver ist wieder mit dabei und wieder großartig. Martin Sabel hat in seiner Rolle nicht allzu viel zu sagen, spielt aber echt toll. Die Sprecher_innen der Jugendlichen machen sich gut, wobei keine_r wirklich herausragt. Insgesamt sind sprechen alle sehr zufriedenstellend. Einen kleinen Gastauftritt haben die Brüder Simon und Thilo Gosejohann.

Während die gesamte Postproduktion der bisherigen Reihe Dirk Hardegen vom Label Ohrenkneifer zufielen, ist in der Folge 3 Marko Peter Bachmann von den Hamburger Gracelandstudios für Schnitt, Musik, Mix und Mastering verantwortlich. Über den Grund des Wechsels ließe sich nur spekulieren. Offiziell wurde da nichts thematisiert. Vielleicht will sich Hardegen auch einfach nur mehr seiner eigenen Arbeit widmen.
Bachmann macht einen guten Job. Auch wenn der Dialogschnitt an einigen Stellen etwas flüssiger sein könnte, ist das Sounddesign bis auf einige wenig gravierende Ausnahmen sehr gelungen und präzise. Dadurch kommt einiges an Atmosphäre auf, mehr als in den ersten zwei Folgen.
Musik wird außerhalb von Atmos so gut wie gar nicht eingesetzt, im Grunde nur eine kurze Klaviersequenz, die einige Kapitel einleitet und ein wenig schwach klingt, akustisch wie kompositorisch. Konsequenterweise hätte mensch auch auf sie verzichten können.

Fazit: „Der Trip“ ist im Grunde ein unterhaltsamer Thriller mit einigen Psychoelementen. Die Hommage ist gut gelungen, die Auflösung nicht unerwartet, aber doch intelligent konstruiert. Dabei ist der Titel im mehrfachen Sinn zu verstehen. Es geht natürlich nicht nur um die Autofahrt zum Geisterhaus.
Zwar hat Audionarchie bisher noch nicht das eigentlich angekündigte Oberhammerpsychothrillerhörspiel produziert, bestätigt doch aber ihren sich langsam herauskristallisierenden Status als kleine Schmiede solider und guter Produktionen. Alles andere kann ja noch kommen. Bis dahin sei die dritte Folge der Mindnappingreihe guten Gewissens empfohlen. Mit Trägermedium kann sie bei pop.de erworben werden oder bei allen bekannten Downloadportalen, die von Highscoremusic bedient werden.

Bewertung: 12/15

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Update:
Patrick Holtheuer war so nett, den Cutterwechsel zu kommentieren, um mich nicht allein spekulierend im Regen stehen zu lassen.

„Was den Wechsel von Dirk zu Marko betrifft, so muss man nicht spekulieren, das kann ich auch gerne verraten. Dirk möchte sich lieber seinen eigenen Produktionen widmen, was ich absolut verstehen kann und respektiere. Thematisiert habe ich das nicht, weil ich da keinen Grund zu sah, das ist ja jetzt keine Sensation und es gab auch keinen Streit oder Stress.
Mit dem Wechsel bin ich sehr zufrieden, da ich die Produktion insgesamt satter und wuchtiger finde, Dirk hat bei den ersten beiden Folgen aber alles andere als schlechte Arbeit geleistet und ich drücke ihm die Daumen für seine eigenen Werke.“ Quelle



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