Timeshift 2 – Paperchase

Was haben ein Zeitreisender wider Willen, ein Revisor der Tempus Fugit Kongregation, eine kleptomanische Hotelangestellte, zwei eloquente Auftragskiller und ein FBI Agent gemeinsam?
Sie alle begehren ein Stück verloren geglaubte Revisorentechnik.
Shaun und Dulgar müssen auf ihrer Hatz durch den Großstadtdschungel erkennen, dass ihr Auftrag mit mehr Gefahren verbunden ist, als sie zunächst dachten.
Im Jahr 2014 forschen JD, Jade und Professor Winter unterdessen nach einem Weg, Shaun in seine Zeit zurück zu holen und müssen einen schweren Rückschlag hinnehmen…

Nachdem die Menschen von Blackdays – eigentlich Informatikstudenten und ihre Freunde – in der ersten Folge von Timeshift ihren Protagonisten Shaun bei einer unfreiwilligen Zeitreise zwei Weltkriege haben verhindern lassen (was zwei Weltkriege nach sich zog, und zwar so, wie wir sie kennen), landet er nun im New York des Jahres 1999, wo sie einmal mehr Teil der Geschichte werden. Diesmal geht es vor allem um einige Patzer, die sich FBI-Agent John Patrick O-Neill Ende der 90er leistete und die durch die erzählte Geschichte in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Die Story der Folge „Paperchase“ ist ganz amüsant. Als Hörer_in erfährt mensch darüber hinaus noch einiges über die Revisoren und ihre Technik, die ein Stück weit im Mittelpunkt steht, aber auch über die Folgeereignisse im CERN. Leider hat die Geschichte ein ziemlich großes Logikloch: Wenn die Revisoren allem Anschein nach kreuz und quer durch Zeit und Raum reisen könne, warum kehrt Dulgar dann nicht mit Shaun ins Jahr 2014 zurück, ohne weiteren Blödsinn mit der Geschichte anzustellen? Insgesamt ist die Rahmengeschichte etwas unmotiviert. Außerdem hätte das Skript einiges an Straffung bedurft. Minutenlange ins Nichts führende Dialoge voller sinnloser Schimpftiraden und grundloser Beleidungen zehren ziemlich an den Nerven, wobei diese auch noch durch die Sprechleistungen deutlich verlieren.

Die Sprecher_innen sind ganz unterschiedlich einzustufen, aber keine_r kommt über ein „ganz okay“ hinaus. In den schlimmsten Fällen wurden Menschen besetzt, die Mühe zu haben scheinen, den Text überhaupt vom Blatt abzulesen. Die ohnehin langen Dialoge werden damit umso anstrengender. Da alle Mitwirkenden aus dem Freundeskreis zu stammen scheinen, ergeben sich oft Probleme mit Dialekten, die in einem englischsprachigen Umfeld komplett deplatziert scheinen.

Das Sounddesign kann ebenfalls kaum glänzen. Anscheinend wurden einfach die Aufnahmen aneinander geschnitten, ohne sich Gedanken um Equalizer und Halleffekte zu machen, die ja eigentlich erst die Räume schaffen, in denen sich die Figuren bewegen. Der Dialogschnitt könnte besser sein. Alle ausgesuchten Geräusche sind ebenfalls unbearbeitet, teilweise zu slapstickmäßig, die Atmos sind wie von der Stange. Die Musik dient meist dazu, eine Szene von der nächsten zu trennen, eine wirkliche Kontinuität zeigt sich nicht. Sie selber ist aber in Ordnung. Atmosphäre kommt da kaum auf.

Fazit: Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Die Qualität der Produktion hat sich im Vergleich zum ersten Teil noch ein Stück verschlechtert. Bei den 80 Minuten Laufzeit hätte mensch durch intelligentes Kürzen sicherlich locker 20 Minuten einsparen können, die einem_r nun recht lang werden. Auch sollten sich die Produzenten überlegen, ob sie nicht nach und nach zumindest bei den nicht schon besetzten und wiederkehrenden Rollen auf andere Sprecher_innen zurückgreifen sollten, die ebenfalls in der freien Szene unterwegs sind bzw. ob ihre eigenen Sprecher_innen sich nicht auch an anderen Projekten beteiligen sollten, um ein wenig zu üben.
Nichts desdo trotz bin ich gespannt auf die nächste Folge, denn die Geschichte ist insgesamt gut. Die Folgen 3 und 4 sind anscheinend schon geplant, es wird an ihnen gearbeitet. Sie werden entscheiden, wie sich die gesamte Serie entwickelt und ob sie aus ihrem anstrengenden Amateurgewand schlüpfen kann.
Bis dahin gibt es Timeshift 2 – Paperchase hier zum freien Download.

Bewertung: 8/15

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Hinzufügungen (22.05.11): Bei der Recherche und beim Hören sind mir zwei Fehler unterlaufen. Ich werde sie nicht einfach verschwinden lassen, sondern post scriptum klarstellen.

Einerseits ist die Gruppe um BlackDays heterogener als ich angenommen hatte. Unter den Verantwortlichen befindet sich nur ein Informatikstudent, der sich um den Webauftritt kümmert. Ansonsten gehen sie ganz verschiedenen Professionen nach. Das ist zwar für das Hörspiel an sich nicht allzu wichtig, sollte doch aber hier nicht falsch weiter herumstehen.

Andererseits muss ich meine Kritik an der Rahmenstory etwas relativieren. In der Serie wird tatsächlich klargestellt, dass Shaun im Gegensatz zu den Revisoren nicht gezielt durch die Zeit reisen kann, was natürlich eine lange Serie voller historischer Ereignisse legitimiert. ;)

Allgemein möchte ich sagen, und das werde ich im nächsten Flattrpost noch einmal ein wenig ausführen, dass es sich bei allen von mir kritisierten Hörspielen auch um Hörempfehlungen handelt, egal wie die Bewertung ausfällt.

Im Forum der Soundtales Productions ist ein kleines Gespräch zwischen mir, den Produzenten und einigen anderen Menschen entstanden, angeregt durch diese Kritik. Ich habe im Dialog noch einmal einzelne Kritikpunkte genauer beleuchtet. Hier lässt sich alles nachlesen.



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