Narfland 2 – Der Weg durch den Weyfiar-Wald

Leon, Waslik, Pyliana und Hobs erreichen den gefährlichen Weyfiar-Wald, der von der Verderbnis des Schattenhaften in einen dunklen und Bösen Ort verwandelt wurde. Hier suchen sie nach der „Weisen des Brunnens“, um den Zufluchtsort der letzten Iahidan zu erfahren.
Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und die Gruppte muss sich den schrecklichen Syrtyden stellen…

Am Sonntag, den 13. März 2011 feiert das zweite Kapitel von Sven Matthias‘ Narfland Premiere. In der vorherigen Woche wurde bereits die Neubearbeitung der ersten Folge veröffentlicht. Nun geht es endlich weiter mit der auf fünf Folgen angelegten Fantasyserie.
Narfland besitzt viele Alleinstellungsmerkmale. Die Welt, die Sven Matthias kreiert, ist voll von neuen Ideen, die sich sonst in keinem Fantasyszenario finden. Auf der anderen Seite erinnern einige Elemente an andere Welten wie die des Herrn der Ringe oder die dunklen Lande von Abseits der Wege, ohne jedoch etwas davon zu kopieren. Fantasyfans werden sich die Hände reiben.

Die Handlung schließt unmittelbar an das Ende der ersten Folge an. Die Folgen scheinen durch die Schauplätze definiert zu werden, an denen sie handeln. War das erste Kapitel noch dazu da, in die neue Welt einzuführen und die Protagonist_innen kennen zu lernen, erfahren wir in der zweiten Episode mehr über ihre Motivation. Die Geschichte ist unheimlich spannend und kurzweilig. Es gibt nicht eine wirklich retardierende Szene, was den Erzählfluss zu einem reißenden Strom macht.
In den Dialogen wird viel über die Geschichte der Charaktere erzählt und angedeutet. Zur Charakterisierung der Figuren dienen sie weniger, sind aber in gewohnt guter Matthias-Qualität. Vor allem die emotionalen Situationen sind dialogtechnisch sehr gut gelungen.

Die Sprecher_innen sind dieselben wie in der ersten Folge, rekrutieren sich also vor allem aus der freien Hörspielsszene. Mit neuen Figuren sind Jamie Leaves, Christiane Marx und Sabrina Heuer dazugekommen. Sie liefern alle solide Sprechleistungen, allerdings nicht immer auf gleicher Stufe. Diesmal sticht vor allem Dirk Hardegen hervor, der Leon Cartwright spricht. Er spielt die Emotionen des Protagonisten unheimlich überzeugend und sehr eindrucksvoll. Auch Karsten Kollmann ist als Hobs wieder toll.

An der Umsetzung in Schnitt uns Sound ist so gut wie nichts auszusetzen. Der Dialogschnitt ist flüssig, die Geräusche plastischer als im ersten Kapitel. Toll gemacht sind die Effekte die auf den Sprechpassagen einiger Figuren liegen, um sie unheimlicher klingen zu lassen.
Die Musikdramaturgie ist, vor allem im Finale der Folge, hervorragend. Die Musik der Rollenspielmusiker_innen von Erdenstern ist allgemein etwas sparsamer eingesetzt worden, was sie, sobald sie erklingt, umso stimmungsvoller wirken lässt. Es sind sehr schöne, atmosphärische Kompositionen, die sich mal untermalend im Hintergrund halten, mal dramatisch die Spannung steigern oder sie grandios auflösen.

Wie schon bei der Titelgebung der Kapitel lässt durch das zweite Cover, wieder von Wolfram Damerius, ein Muster für die kommenden Folgen erahnen. So steht dieses Mal Casina, die die Held_innen suchen, im Vordergrund, Leon und der Dunkle im Hintergrund als Andeutung einer Weiterentwicklung in diesem Konflikt. Statt der Skyline Londons auf dem Cover der ersten Folge nehmen die Bäume des Weyfiar-Waldes den Hintergrund dezent ein. Auch die Farbthematik wird weitergesponnen und zeigt mit kräftigem Rot eine klare Referenz zur Handlung. Im Download sind auch ein Poster und alles nötige für die Gestaltung eines Jewelcases enthalten. So kann mensch sich Narfland auch ins Regal stellen oder die Wand mit dem überaus stimmungvollen Cover schmücken. Ein wirklicher Augenschmaus.

Fazit: Mit dem zweiten Kapitel von Narfland wird der_die Hörer_in erst richtig in den Sog der fantasievollen Geschichte gezogen. Wenn die kommenden Folgen ebenfalls so gut gemacht und geschrieben sind, könnte diese Reihe zum Geheimtip für alle Freund_innen des Fantasygenres avancieren. Qualitativ schlägt die Serie jedenfalls viele kommerzielle Produktionen dieses Genres, welche sich darüber hinaus oft in ewig langen Spielzeiten ergehen und eine_n Zweifel daran hegen lassen, ob sie jemals zu einem Ende kommen.
Das Potential, das die erste Folge noch offen gelassen hat, wurde hier zu großen Teilen genutzt. Es gibt kaum etwas zu bemängeln. Vor allem der andere Umgang mit der Musik hat die Dramaturgie und den Gesamtsound noch einmal um einiges verbessert.
Der Weg durch den Weyfiar-Wald macht ungemein Lust auf die kommende Folge. Sicherlich wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben, wann diese erscheint. Hoffentlich geschieht das in nicht ganz so ferner Zukunft, auch wenn Sven Matthias nebenbei an der dritten Staffel zu Rick Future arbeitet. Die Folge macht einfach unheimlich viel Lust auf mehr.
Das zweite Narflandkapitel wird am Sonntag, den 13. März im Radio des Hoerspielprojekts mit dazugehörigem Premierenchat. Ab dem 14. März können dann die ersten beiden Folgen frei heruntergeladen werden. Den Link werde ich dann ergänzen.

Update: Alle bisher erschienenen Folgen gibt es hier zum freien Download.

Bewertung: 14/15

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