Mindnapping 2 – Die 9mm-Erbschaft

Erst der Selbstmord ihres Vaters bringt die Brüder Richard und Brendan wieder zusammen. Sie besuchen die Orte ihrer glücklosen Kindheit. Tief in den Wäldern der amerikanischen Ostküste. Doch sie sind nicht allein. Etwas folgt ihnen. Schlägt immer wieder brutal zu. Konfrontiert die Brüder mit den Schrecken der Vergangenheit. Und treibt sie in den Wahnsinn …

Zusammen mit der ersten Folge der Serie Mindnapping wurde auch „Die 9mm-Erbschaft“ Ende Februar erstmalig vorgestellt, gehört also ebenfalls zum ersten Wurf des vor kurzem erst gegründeten Labels Audionarchie von Patrick Holtheuer. Auch diese Folge soll beweisen, dass auf dem Hörspielmarkt auch anderes möglich ist als billiger Grusel und endlose Serien. Das Konzept sieht vielmehr subtile Thriller und abgeschlossene Folgen vor, geschrieben von verschiedenen, oft in der Hörspielszene recht bekannten Autor_innen. Die 9mm-Erbschaft stammt von Raimon Weber, der bereits für Serien wie Gabriel Burns und Darkside Park geschrieben hat, also wohl prädistiniert für gute Thrillerstories ist.

Die Geschichte macht immer wieder den Anschein, als würden die Wege des Realen verlassen. Das Finale bringt eine ungeahnte Auflösung und offenbart die Vielschichtigkeit der wirklich gut konstruierten Story. Mit jedem nochmaligen Hören des Hörspiels offenbaren sich immer neue Züge, was großen Spaß macht. Weber hat außerdem die Gewohnheit, Begebenheiten links und rechts der Hauptgeschichte zu beschreiben, Kleinigkeiten, die einiges an Atmosphäre schaffen.
Die Dialoge charakterisieren die Figuren sehr genau. Einige Sätze klingen allerdings ein wenig gestelzt, würden so kaum von jemandem geäußert werden.

Die Sprecher_innen sind grandios. Die Texte, die ihnen durch Weber in die Hand gegeben werden, interpretieren sie sehr schön. Den Erzähler mit Gordon Piedesack zu besetzen ist eine verdammt gute Wahl gewesen. Allen anderen auf der Besetzungsliste nimmt mensch ihre Rolle vollkommen ab.

Wie schon in der ersten Folge und wahrscheinlich in allen weiteren werden Schnitt, Sounds und Musik von Dirk Hardegen gemacht. Diese Komponenten sind wieder gut geworden, trotzdem kommt im Vergleich zur ersten Folge nicht das gleiche Maß an Atmosphäre auf, was wirklich schade ist. Der Dialogschnitt ist dafür sehr gut gemacht.
Hervorzuheben ist auch die Musik. Ein sehr schönes Melodiemotiv zieht sich durch das gesamte Hörspiel, mal als leises Klavierstück, dann sogar im Hörspiel selber als zerbrechlich wirkendes Violinensolo, dann in zarter orchestraler Besetzung, freilich virtuell simuliert. Es scheint genau so labil zu sein, wie die nach und nach immer weiter zermürbten Geister der Protagonist_innen. Wirklich toll gemacht.

Fazit: Auch die zweite Folge hält das Versprechen, etwas anderes zu sein, als das, was es mittlerweile in hunderten Versionen auf dem Hörspielmarkt zu hören, zu kaufen und herunterzuladen gibt. Eine gut konstruierte Story paart sich mit grandiosen Sprecher_innen, einem solide produzierten Sound und wirklich schöner Musik. Doch genau so, wie der größte unter den kleinen Makeln der ersten Folge das Skript war, so kommt in Die 9mm-Erbschaft nicht so recht die Atmosphäre auf, die möglich und der Geschichte angemessen wäre. Trotzdem handelt es sich bei der zweiten Folge der Reihe Mindnapping um ein gelungenes Hörspiel, vor allem, wenn mensch bedenkt, dass es sich um die Erstveröffentlichung eines Newcomerlabels handelt. Das Potential zur Verbesserung, das es natürlich immer gibt, gibt den nachfolgenden Folgen den Raum, noch mehr zu überzeugen.
Wer also die 08/15-Produktionen der großen und kleinen Konkurrent_innen auf dem Markt langsam leid ist und dazu Fan von gut gemachten Thrillern, darf getrost zugreifen. Mindnapping 2 – Die 9mm-Erbschaft gibt es als CD bei pop.de zu erwerben (zum Vorteilspreis auch im Bundle mit der ersten Folge) und ohne Trägermedium in allen bekannten Downloadshops.

Bewertung: 12/15

(Übrigens wird die neue Serie auch live auf der Leipziger Buchmesse am Donnerstag um 12 Uhr in Halle 3 vorgestellt.)

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