Narfland 1 – Der Weg durch Karth-Dian

Der Maler Leon Cartwright wird in jeder Nacht von seltsamen Träumen geplagt, in denen er ein merkwürdiges und fremdes Land sieht. Wie besessen beginnt er diese Bilder auf seiner Leinwand festzuhalten, nicht mehr in der Lage andere Dinge zu zeichnen. Das Leben um ihn beginnt immer mehr zu zerfallen. Als er schließlich keinen Ausweg mehr weiß und vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht, begegnet er einer mysteriösen und dunklen Gestalt. Diese Begegnung ist der Anfang einer abenteuerlichen Reise für Leon, die ihn an den Ort seiner Träume führen wird: Narfland.

Am 6. März, dem kommenden Sonntag also, veröffentlicht Sven Matthias zusammen mit Erdenstern und Hoerspielprojekt.de die erste Folge seiner Fantasy-Hörspielserie Narfland – schon wieder. Schon im August 2009 gewann „Der Weg durch Karth-Dian“ viele Fans, die über anderthalb Jahre auf eine Fortsetzung warten mussten. Zuerst produzierte Matthias die zweite Staffel seiner Science-Fiction-Serie Rick Future (die nicht minder erfolgreich war (und auf die bald die dritte Staffel folgen wird)). Jetzt hat er sich Narfland vorgenommen, um die auf fünf Folgen angelegte Serie weiter- und zum Abschluss zu führen. Um einen besseren Anschluss an die bisher unveröffentlichten Folgen zu gewährleisten wird die erste Folge am Sonntag in überarbeiteter Fassung veröffentlicht.
Doch was hat sich geändert verglichen mit der ersten Version? Hauptsächlich die Musik kommt neu daher. Ursprünglich hatte Alexander Gühlke für Matthias musiziert, jetzt zeichnet sich Erdenstern dafür verantwortlich, drei Musiker_innen aus Hamburg, die vor allem Konzeptalben für Rollenspieler_innen komponieren und produzieren. Schon die Zusammenarbeit in der zweiten Rick-Future-Staffel zeigte sich als äußerst fruchtbar. Ansonsten fanden noch einige Sprecher_innenwechsel statt, da die meisten aus dem Hörspielprojekt rekrutiert wurden und nicht mehr alle dort wie vor anderthalb Jahren aktiv sind. Diese Änderungen waren für Matthias Grund genug, alle Szenen noch einmal komplett durchzuproduzieren und überall weitere kleine Veränderungen vorzunehmen.

Die Geschichte natürlich die gleiche geblieben. Der Ankündigungstext beschreibt es schon ziemlich gut. Genau wie Leon Cartwright wird die Hörer_innenschaft nach einem kurzen Kennenlernen seiner Londoner Verhältnisse im Jahr 1899 in eine seltsame, düstere Welt geworfen und muss sich darin erst einmal orientieren. Das fällt gar nicht so leicht, alles ist fantastisch und geht unheimlich schnell. Da viel in dieser knappen Stunde Hörspiel passiert, hätte mensch es fast auf zwei Folgen aufteilen können, irgendwie ist das Einstiegsszenario im späten viktorianischen Zeitalter zu lang geworden, um schnell beiseitegewischt zu werden, zu kurz aber, um einen eigenen Abschnitt zu bilden.
Ansonsten ist die Welt, in die Matthias den Protagonisten stolpern lässt, erfrischend ungewohnt. Im Narflanduniversum stecken viele neue Ideen, die es stark von bisherigen Fantasyszenarien abgrenzen und die Welt unheimlich reizvoll machen. Die düstere Atmosphäre schreit geradezu nach einem Retter, der anscheinend Leon Cartwright ist – vollkommen wider Willen.

Die Sprecher_innen kommen größtenteils aus der freien Hörspielszene, darunter auch einige, die damit ihr Geld verdienen. Auf jeden Fall verfügen alle über einige Sprecherfahrung, was sich durchgehend positiv bemerkbar macht. Dabei sind beispielsweise Dirk Hardegen, Marie-Christin Natusch, natürlich Sven Matthias, Markus Raab und Roman Ewert. Karsten Kollmann gestaltet die Figur des Hobs wirklich schön und einzigartig.

Schnitt und Produktion sind gewohnt gut, schließlich hat Sven Matthias durch seine vielen Projekte einiges an Übung.
Hervorzuheben ist die großartig stimmige Musik von Erdenstern, fantasymäßige orchestrale Kompositionen mit einigen sanfen Elektronikeinflüssen, die sich mit den Geräuschen verbinden. Sie bring unheimlich viel Atmosphäre ins Hörspiel, lässt die düstere Welt Narflands durch die Ohren im Kopf auferstehen und macht sie fühlbar. Sie ist im Mix vielleicht etwas leise geraten und hätte im Gesamtsound wie auch in der Beziehung zu den Geräuschen und Dialogen durchaus noch mehr Entfaltungspotential.

Das Artwork stammt von Wolfram Damerius und gibt den Figuren nicht nur auch optisch ein Gesicht, sondern lässt sich gut auf die Farbthematik der Serie ein. Der Download wird sicherlich wieder ein komplettes CD-Coverset umfassen, das es reizvoll macht, sich Narfland nicht nur anzuhören sondern auch ins Regal zu stellen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Sven Matthias rundet es das große Ganze wunderbar ab.

Fazit: Narfland lässt eine_n in eine vollkommen ungewohnte, zunächst sehr düstere Fantasywelt voller neuer Ideen eintauchen. Die erste Folge neu zu produzieren war kein unbedingt notwendiger, aber verdammt guter Schritt. Sie macht Lust auf die Weiterführung der Serie, die auf dem Fuße folgen wird. Genau wie die neue erste Folge am 6. März, wird die zweite Folge am 13. März im Hoerspielprojekt Radio erstmalig öffentlich zu hören sein und am 14. März dann zum freien Download zur Verfügung stehen. Trotz der Güte der Produktion gibt es noch ein klein wenig Verbesserungspotential, was den Sound in Zusammenhang mit der Musik angeht, auch die Dialoge sind zwar immer auf dem Punkt, könnten aber noch mehr zur Atmosphäre des Hörspiels beitragen. Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.
Ich kann nur allen, vor allem Freund_innen des Phantastischen, empfehlen, am Sonntag bei der Premiere dabei zu sein bzw. sich die beiden ersten Folgen Narflands nach der Veröffentlichung herunterzuladen (den Link werde ich dann hier ergänzen).

Update: Alle bisher erschienenen Folgen gibt es hier zum freien Download.

Bewertung: 13/15

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Ein Kommentar zu Narfland 1 – Der Weg durch Karth-Dian

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