5 3 2

Zwischen dem Zustand des gesteuerten Proletariers und des selbstständig denkenden Lebewesens, befindet sich 532 auf der Flucht durch “Metropolis”, auf der Suche nach Freiheit.

5 3 2 ist ein Hörspiel der Soundtales Productions, einer der kleineren Hörspielmacher_inneninternetcommunities. Im Grunde ist es eher eine gelesene Kurzgeschichte mit musikalischer Untermalung. Gelesen, Geschnitten und produziert hat es Sebastian Bäcker, die Story stammt von Nino Finke und Ralf Dehmann; ersterer hat mit seinem Projekt „Deied“ auch den Großteil der Musik beigesteuert.

Die Geschichte reiht sich ein in Erzählungen wie „Brave New World“ und 1984 und all ihre Nachfolger ein – die dystopische Vision eines Kontrollstaates, der das Leben eines_r jeden einzelnen vollkommen rationalisiert hat und von einer kleinen Oligarchie geleitet wird. Aber anders als in einem Überwachungsstaat gibt es bis auf ein paar Wachen keine weiteren „sicherheitsstiftenden“ Maßnahmen, da die Bevölkerung sich selbst über vorauseilenden Gehorsam, Selbstkontrolle und fehlende kritische Reflexion in Zaum hält.
Warum 5 3 2 in der Lage ist, aus diesem Mechanismus auszubrechen, ist unklar. Plötzlich ist alles anders, warum, das wird bis zum Schluss nicht erklärt. Auch gerade der Schluss lässt den_die Hörer_in vollkommen im Dunklen. Offene Enden sind vollkommen legitim, lassen sie eine_n doch über die Begebenheiten hinaus noch weiterdenken, aber diese Geschichte hat schlicht und ergreifend kein Ende, was wirklich schade ist, denn die Story ist bis dahin eigentlich eine gute. Nur findet sie ihren Sinn und ihre Bedeutung nicht.
Ein weiteres Manko am Skript ist, dass es unbedingt eines Lektorates bedurft hätte. Viele Formulierungen sind irreführend, seltsam bemüht oder schlicht und ergreifend grammatikalisch falsch. Das trübt das Hörerlebnis enorm.

Die Lesung selbst ist gut. Sebastian Bäcker hat mittlerweile Übung darin, Geschichten einzulesen, denn auch seine Reihen „Benjamin King“ und „Akte King“ sind Hörbücher bzw. Hörspiele mit immens hohem Erzählanteil. Und das hört mensch. Eine solide Leistung.

Bemerkenswert ist die Musik: Ein schöner, düsterer Klangteppich, aus dem sich von Zeit zu Zeit elektronische Stücker erheben, um dann wieder ein wenig verstörend durch die Gänge von Metropolis zu fließen. Hier holt das die Lesung noch einmal einen ordentlichen Teil der schönen Atmosphäre her.
Dadurch, dass es keine Geräusche gibt, sondern nur die Lesung mit einigen kleinen Panningeffekten, um Gedanken und Erzählstimme zu trennen, und die Musik, kann gar nicht viel über den Schnitt oder die Postproduktion gesagt werden. Es wurden keine Fehler gemacht, es lässt sich von der Warte aus alles gut anhören.

Fazit: 5 3 2 ist ein stimmungsvolles Hörbuch. Worum es eigentlich geht, die Geschichte, krankt aber gewaltig. Anfang und Mitte sind schön erzählt, das Ende gibt es nicht. Kurz vor dem Höhepunkt der Spannungskurve hört die Kurzgeschichte einfach auf. Ein offenes Ende hätte einen Ausblick darauf gegeben, was hätte passieren können, ohne dabei allzu viele Möglichkeiten offen zu lassen. Aber hier… Dazu stören die vielen Skriptfehler. Das ist wirklich schade, nicht einmal die tolle Musik kann das wirklich wieder gutmachen. Trotzdem sollte mensch einmal reinhören. Schließlich gibt es das Hörspiel, wie es sich für den nichtkommerziellen Sektor gehört, zum freien Download.

Bewertung: 9/15

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