Rick Future 1 – Planet der Träumer

Ein Auftrag des intergalaktischen Sicherheitsdienstes führt Rick und seine Freunde auf den frisch terraformierten Planeten Godima. Dort sollen sie das Verschwinden einer Forschergruppe aufklären. Dabei stoßen sie auf ein fremdes Volk und eine unheimliche Lebensform aus dem All…

„Planet der Träumer“ ist die erste Folge der momentan 12 Folgen umfassenden freien Hörspielserie Rick Future. Sie erschien 2008 bei Hoerspielprojekt.de. Vor allem der Name Sven Matthias ist von Anfang an eng mit dem Projekt verknüpft. Von ihm stammen die Skripte, er führt Regie, schneidet und produziertdie Hörspiele und leiht der namensgebenden Hauptfigur, Rick Future, seine Stimme.

Die Folge beginnt mitten im All, irgendwann im ganz normalen Bordalltag. Ideale Voraussetzungen, um mit einem Auftrag der Fordianer einen zunächst unverbindlichen Piloten der Space Opera zu beginnen. Obwohl es auch einen Spannungsbogen gibt, dient die Geschichte doch vor allem der Vorstellung der Hauptcharaktere. Wahrscheinlich war Matthias noch gar nicht bewusst, welchen Weg sein erstes Hörspiel einmal gehen würde. Vor allem die Dialoge der Besatzung sind witzig geschrieben, die Charaktere werden einer_m also gleich angenehm nahe gebracht.
Die kritisierte „Terraformierung“ des Planeten Godima erscheint wie eine Parabel auf kommerzielle Nutzung natürlicher Lebensräume (im weitesten Sinne Gentrifizierung), wobei sie im Grunde kaum etwas mit der Story zu tun hat. Diese Idee, die Zerstörung von Ökosystemen zu thematisieren, könnte ruhig noch einmal aufgegriffen werden, eignet sich doch vor allem das Science-Fiction-Genre gut zur parabelhaften Aufarbeitung gesellschaftlicher Probleme. Natürlich geht es auch ohne diesen Anspruch, das Kristallwesen mit seinen Mindcontrollwellen wirkt aber etwas weit hergeholt und suboptimal in die Story eingebettet. Bisher ist es nicht wieder aufgetaucht, aber vielleicht schlägt Matthias den Bogen in der dritten Staffel, um den Kreis zu schließen und Folge 1 noch etwas mehr mit dem Rest der Serie zu verbinden.

Die Sprecher_innenriege ist von Anfang an die gleiche. Sven Matthias spricht souverän den Rick Future, SF-Hörspielveteran Ralf „Searge“ Pappers gibt den Golwonen Hubert, Michelle Martin die Evi und Markus Raab erzählt im mal ruhigen, mal beunruhigenden Bass, je nach Situation. Auch Detlef Tams ist als Huggins von Anfang an dabei. Im Vergleich zu späteren Folgen scheinen sich alle erst ein wenig in die Rollen hereinzufinden, der eine mehr, die andere weniger. Auf jeden Fall ist die Besetzung aber goldrichtig.
Die unterschiedlichen genutzten Mikrophone sind durchaus zu hören. Die Voiceoverparts von Sven Matthias klingen meist etwas dumpf, andere Takes von anderen Sprechern clippen stellenweise leicht. Nichts ist aber so schlimm, dass es das Hörerlebnis beeinträchtigen würde. Andere Serien sind nicht einmal nach einigen Folgen auf dem qualitativen Stand des Rick-Future-Piloten. Das gilt auch für die Produktion.

Die Produktion ist recht gelungen, die Geräusche passen größtenteils zum Geschilderten. Die Atmos hören sich toll an. Auch die Musik von Alexander Gühlke und Hartmut Breuer untermalt angemessen die Szenerie. Sie besteht aus verschiedenen Synthieflächen, wie im Science-Fiction-Bereich üblich. Die Titelmelodie der ersten Staffel ist hübsch, wirkt insgesamt aber fast etwas albern, zu kindlich. Mit der Entwicklung zu ernsteren Geschichten wird sie auch ausgetauscht, wobei die prägnante Klavierakkorde am Anfang hohen Wiedererkennungswert besitzen.
Auch das Cover von Reiner Harf in Zusammenarbeit mit Sven Matthias gibt Rick Future den Anstrich einer Hörspielserie für Kinder, was sie allerdings kaum ist.

Über den im Anschluss an die Handlung erklingenden Song „Funkspruch“ kann mensch geteilter Meinung sein. Eigentlich hat das Stück, das eine Art Ambience-Elektroschlager ist, keinen großen Bezug zum Hörspiel, zumal der Text nicht besonders reichhaltig ist. Aber wer ihn nicht hören will, kann vom vorletzten Track einfach zu den Outtakes springen, die auch im Download enthalten sind.

Fazit: „Planet der Träumer“ ist der Startpunkt von Rick Future. Das Ziel ist noch lange nicht in Sicht, als Hörer_in erfreut ja vor allem der Weg. Noch nimmt sich das Projekt anscheinend nicht ernst. Wie viel Potential in der Serie steckt, wird nach und nach offenbar. Mit den nächsten Folgen schafft sie es die führende Serie des Hoerspielprojektes zu werden. Doch in der ersten Folge ist davon noch nicht viel zu merken. Trotzdem lohnt es sich, sie sich anzuhören. Zuerst natürlich, weil sonst die kontinuierliche Story nicht verstanden werden kann, außerdem, weil es Spaß macht, die Entwicklung der Space Opera von einem etwas zaghaften, aber ernst gemeinten Versuch in der Welt des nichtkommerziellen Hörspieles über einige Orientierungen hin zu einem beeindruckenden Universum zu beoachten.
Die Bewertung ist wahrscheinlich etwas hart, orientiert sich allerdings schon an dem hohen Niveau, das Rick Future in den nächsten elf Folgen entwickeln wird. Schließlich brauche auch ich dann noch Platz nach oben zum Bewerten. ;)
Das knapp 50 Minuten währende Hörspiel gibt es zum freien Download.

Bewertung: 11/15

Dieser Beitrag wurde unter Hoerspielprojekt.de, Nichkommerziell, Rezension, Rick Future veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Rick Future 1 – Planet der Träumer

  1. Pingback: Tweets that mention Rick Future 1 – Planet der Träumer | -- Topsy.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.