Parapol 2 – Stolpersteine

parapol 2

Griechenland. Sofia Samara und Stelios Gavalas bilden das neue Team von Parapol, Athen. Ihr erster Auftrag scheint aber noch nicht so recht in das Ermittlungsschema übernatürlicher Phänomene zu passen, zu schlecht dokumentiert, zu wirr scheinen die Ereignisse: Ein Mädchen will ein Wesen mit Haaren aus Schlangen gesehen haben. Das Ermittlerduo möchte den Fall nicht wirklich ernst nehmen, bis es die erste Leiche zu Gesicht bekommt…

Eine Woche nach der Veröffentlichung von „Die Tränen der Madonna“ legt Hoerspielprojekt.de schon die zweite Folge der neuen Reihe „Parapol“ nach. Das Folgenprinzip ist wie eine Art europaweiter Mystery-Tatort (wobei das Prinzip die einzige Parallele sein sollte), diesmal ermittelt das Team aus Athen, Griechenland. Doch nicht nur die Ermittler_innen sind andere, auch die Beteiligten an der Produktion unterscheiden sich fast vollkommen von denen der ersten Folge. Das Buch stammt diesmal von Franjo Franjkovic, für den Schnitt war Falko Diekmann, bekannt durch seinen Erstling Heterotrophe beim Hoerspielprojekt, verantwortlich.

Es liegt nahe, die beiden ersten Folgen miteinander vergleichen zu wollen. Aber genau das ist unheimlich schwierig und kaum angebracht. Während „Die Tränen der Madonna“ eher eine Geschichte in „Who did it?“-Manier erzählt (eigentlich „What the freakin‘ hell happened and who/what is responsible for that?!“), handelt es sich bei der Story von „Stolpersteine“ um Mystery vom Feinsten, die wunderbar mit den regionalen Gegebenheiten und Mythen Griechenlands verwoben ist. Hier erschließt sich der Gedanke hinter Parapol sehr gut. Allzu viel sei nicht verraten, nur das: Die Geschichte ist spannend, ihr roter Faden eine klassische Ermittlung der Beamten der Parapol und das Ende tragisch und toll umgesetzt.
Schön sind die Voiceoverpassagen der Sofia Samara, die als Figur eine interessante Tiefe besitzt. Auch wenn die Hintergrundgeschichte der Ermittlerin fast etwas groß für den Hauptverlauf der Handlung ist, bereichert sie die gesamte Geschichte und wird am Ende sogar mit dem Hauptplot zusammengeführt, was den ergreifenden Schluss erst wirklich möglich macht.

Die Sprecher_innen überzeugen ganz gut, leider kommt zwischen dem Ermittlerpaar manchmal keine rechte Stimmung auf. Das kann schnell passieren, schließlich ist alles dezentral aufgenommen. Trotzdem stört nichts den Erzählfluss, Roman Ewert und vor allem Christiane Marx (die zum ersten Mal beim Hoerspielprojekt zu hören ist) sprechen für sich hervorragend. Die weiteren Namen in den Credits sind Kenner_innen der Szene teilweise ein Begriff, etwa Markus Raab, der auch bei den Mindcrusher Studios spricht, andere wie Michael Gerdes hat mensch auch schon einmal gehört, wieder andere sind relativ neu dabei, aber keinesfalls schlecht. Tatsächlich besteht kaum ein hörbarer Qualitätsunterschied zwischen den verschiedenen Sprecher_innen.

Der Schnitt und das Sounddesign ist solide gemacht, hier zeigt sich wieder das Qualitätskriterium des Kaumbemerkens, was immer ein gutes Zeichen ist, solange die Bilder im Kopf ohne Mühe entstehen. Die Geräusche und die durch den Hall geschaffene Räume wirken sehr natürlich.
Hervorzuheben ist auch der Umgang mit der Musik, die zum Teil aus der ersten Folge von Erik Albrodt übernommen wurde, aber auch von anderen freien Musikern stammt. Sie wurde überaus passend in das Hörspiel gefügt und bringt emotionale Passagen und die etwas düstere Atmosphäre erst richtig zur Geltung.

Das Cover scheint auf den ersten Blick etwas seltsam, die gezeigte Szene mit ihren Figuren, vor allem die mittlere scheint irgendwie hölzern, wenn nicht steinern. Wer die Geschichte kennt, weiß aber, dass die Illustration genau so zum Hörspiel passt und nicht anders. Wolfram Damerius führt das schicke Corporate der Serie weiter.

Fazit: Nachdem Krimifans am ersten Teil von Parapol ihren Spaß hatten, kommen jetzt Mysteryliebhaber_innen auf ihre Kosten. Mit den nächsten Folgen, die in Arbeit sind und die unter anderem in Deutschland und Frankreich spielen sollen, deren Veröffentlichungstermin noch nicht abzusehen ist, wird sich zeigen, welche Richtung die Serie endgültig einschlagen wird oder ob sie so heterogen bleibt, wie sie sich momentan zeigt. Auf jeden Fall ist sie ein tolles Projekt des Hoerspielprojekts, das das Potential hätte, neben Produktionen wie Rick Future stellvertretend für das freie Label zu stehen.
Und das schöne ist, dass das Hörspiel wieder für alle zum freien Download bereitsteht.

Bewertung: 13/15

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