Die Korrektur des Handbuchs

Wir schreiben das Jahr 2045: Auf einer Raumstation tief in den Weiten des Alls ereignen sich seltsame Dinge. So verschwinden aus einem Container immer mehr dort gelagerte Gegenstände und der Hauptcomputer bemerkt einen erhöhten Stromverbrauch. Mark Hall und David Walshsind ratlos und bitten die bekannte, aber überhebliche Robotpsychologin Dr. Jamie Melvin um Hilfe.
Hat der Roboter „Caddie“ irgendetwas mit den Vorkommnissen zu tun?

Bei „Die Korrektur des Handbuchs“ handelt es sich gleichzeitig um eine Art Science-Fiction-Krimi und ein Gedankenspiel zu den Asimovschen Robotergesetzen, welche vom Autor des Skripts Ralph Hahn weiterentwickelt wurden. Hahn war mit der fertigen Geschichte in der Schublade auf die Mindcrusher Studios gestoßen und realisierte sie dort, begeistert von der Idee des freien Hörspiels. Die Produktion übernahm Mark Kaczkowski, der auch Dennis Schuster, mittlerweile bei innovative Fiction, für Schnitt, Sound und Musik.

Die Geschichte ist ein Festmahl für Science-Fiction- und Logikfans. Auf spannende Weise wird im Hörspiel ein Fallbeispiel für die von Hahn selbst erweiterten Robotikgesetze plausibel ausgebreitet. Sicherlich hat die Story damit das Problem, eher ein Nischenpublikum zu bedienen. In Punkto Action oder besonderer Spannung kann das Hörspiel da nicht bieten, muss es aber auch gar nicht.
So schön die Geschichte ist, mensch merkt dem Skript an, dass es das erste ist, welches Ralph Hahn geschrieben hat. Der Erzähler nimmt vielerorts sehr viel Raum ein, an vielen Stellen hätten technische Details vermieden werden können, ohne dem großen Ganzen zu schaden. Dadurch entstehen stellenweise retardierende Momente, die den Hörfluss ein wenig stören.

Als Sprecher_innen sind bekannte Stimmen der Mindcrushers zu Gange, genannt seien Carsten Wilhelm als Erzähler, Jan Boysen, Caren Schulz-Vobach und René Wagner. Sie sprechen alle gut, einige störende Stellen gibt es trotzdem. Vor allem die Interpretation von Dr. Jamie Melvin, die Karen Schulz-Vobach spricht, ist zum Teil übertrieben aggressiv oder überheblich, was der Glaubhaftigkeit der Rolle schadet.

Der Schnitt ist toll gemacht, die gesamte Produktion lebt neben dem Skript vor allem durch die Sound- und Musikarbeit von Dennis Schuster. Die schwierige Aufgabe, Roboter klanglich zu erschaffen, sowohl ihre Sprache als auch alle anderen von ihnen stammenden Geräusche zu kreieren, hat er toll umgesetzt. Die „normalen“ Geräusche sind ein wenig spärlich gesetzt, da wirkt das Sounddesign ein etwas steril. Dafür entschädigt die schöne, vor allem synthiebasierte Musik mit leichten Klassik- und Filmmusikeinflüssen, die durch ihre Flächigkeit die futuristische Atmosphäre ganz gut zur Geltung bringt. Leider gibt es aber dadurch kein Leitmotiv, das länger im Gedächtnis bliebe.

Fazit: „Die Korrektur des Handbuchs“ ist eine tolle Geschichte, nicht nur für Nerds und Liebhaber_innen der modernen Physik. Es macht Spaß, sich auf dieses Klauselsystem einzulassen. Die Umsetzung ist nicht perfekt, aber gut. Die Atmosphäre hat es machmal schwer, sich durchzusetzen, weil einige kleinere Unstimmigkeiten beim Hören doch immer wieder stolpern lassen. Trotzdem haben die Mindcrusher Studios ein schönes Werk abgeliefert, dass es wie immer frei zum Download gibt.

Bewertung: 12/15

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