Der Fluch 1 – Schatten über Port Hardy

Fluch1

Als Bestsellerautor Glen Snider in den verschlafenen Ort Port Hardy im Norden Vancouver Islands zieht, will er vor allem vergessen. Doch vor den ruhelosen Geistern seiner Vergangenheit gibt es kein Entkommen. Ein Ritualmord geschieht und hilflos muessen Glen und Sheriff Kate O’Connor mit ansehen, wie das Grauen um sich greift und eine uralte Wahrheit ans Licht bringt. Und welche Rolle spielt der amerikanische Katastrophenschutz bei der Sache? Die letzten Stunden von Port Hardy haben begonnen!

„Schatten über Port Hardy“ ist gleichzeitig das zweite Hörspiel des kleinen Labels innovative fiction und die erste Folge eines geplanten Zweiteilers. Das verantwortliche Duo sind Dennis Schuster (Schnitt, Effekte und Musik) und Falk T. Puschmann (Skript, Regie und PR). Beide haben schon früher bei den Mindcrusher Studios unkommerziell gearbeitet, Schuster auch schon bei Pandora’s Play, bevor sie ihr eigenes Label gründeten.

Die Besetzungsliste zeigt den Werdegang der Macher und offenbart eine großartige Mischung aus Professionellen und freien Sprecher_innen. Bert Stevens, der die Rolle des Glen Snyder spricht, dürfte vielen aus unterschiedlichsten Hörspielen geläufig sein, auch vielen des WDR. Aber viele, beispielsweise Sabrina Heuer, Ralf „Searge“ Pappers, Markus Raab, Marco Ansing oder Oda Plein, sind normalerweise bei den Mindcrusher Studios und/oder dem Hoerspielprojekt aktiv.
Interessant ist die Solidarität unter den kleinen Labels. So sprechen auch Dirk Hardegen von Ohrenkneifer und Sönke Strohkark von fear4ears mit.
Bert Stevens macht sich in der Rolle des knurrigen, mesanthropen Schriftstellers großartig, auch wenn die Rolle einem manchmal an den Nerven zehrt. Zwar deutet sich eine Wandlung an, aber in der ersten Folge scheint die Figur des Glen Snyder zu eindimensional gezeichnet. Trotzdem ist Stevens Umsetzung erwartungsgemäß herausragend. Auch die anderen Rollen bleiben meist nicht hinter dem Zugpferd des Hörspiels zurück. Puschmann hat seine Kontakte gut genutzt und eine glückliche Hand in der Besetzung bewiesen.

Die Geschichte, gerade die des Glen Snyder, beinhaltet tolle Ansätze, die auch schön ausgebaut werden (hoffentlich noch weiter im zweiten Teil), was den Großteil der Geschehnisse betrifft, tappt der_die Hörer_in leider immer noch im Dunklen. Es scheint mächtig was schief gelaufen zu sein zwischen den Welten und im Fokus des Geschehens, Port Hardy nämlich. Was es mit den Artefakten auf sich hat und warum geschieht was geschieht, ist noch unklar. Das ist ohne die zweite Hälfte ziemlich unbefriedigend. Hier wurde ein wenig zu sehr auf Spannung gesetzt und der Bogen… nunja, etwas „überspannt“. Andererseits freut mensch sich unheimlich auf die Klärung der Geschehnisse.
Leider gibt es auch ein paar Logikfehler oder unnatürliche Settings, etwa die Liveberichterstattung aus dem Hubschrauber, die etwas konstruiert wirkt.
Die Dialoge sind gut, sie machen die Charaktere aus. Hier die bissigen Kommentare Snyders, dort die leichte Unsicherheit der Kate O’Connor, befehlsgewohnte Militärs, sie alle werden schön gezeichnet.

Sound und Musik sind schön gesetzt. Alles verläuft so reibungslos, dass das Hören sich anfühlt, als würde mensch fernsehen. Die Musik untermalt die Szenen und Wechsel gut, bleibt aber so recht nicht in Erinnerung, obwohl schöne Themen und Synthiearrangements gepaart mit Streichern dabei sind.

Fazit: Es ist klar, dass „Schatten über Port Hardy“ gar nicht wie eine runde Sache erscheinen kann, weil das Ende ja die Mitte der Story ist. Puschmann überlegt öffentlich, sogar mehr als einen Zweiteiler aus dem Fluch zu machen, was eine interessante Option wäre, denn die Geschichte hat viel Potential, das nicht ungenutzt verpuffen sollte. Die Sprecher_innen sind klasse, die Umsetzung ist gut, nicht herausragend, dafür fehlt auch durch die Ungewissheit, die alles ein wenig überschattet, irgendwie noch ein Stück Atmosphäre. Ob sich diese nach dem Hören des zweiten Teils einstellen wird, wird sich zeigen. Auf jeden Fall wird es sich lohnen, sich auch den zuzulegen. Noch vor Weihnachten soll er erscheinen und genau wie die erste, 51-minütige Episode physisch bei pop.de erhältlich und zum Herunterladen in allen bekannten Downloadportalen.
Es bleibt spannend.

Bewertung: 12/15

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