Hydrophobia

Die Klabauter GmbH, eine kleine Firma von Berufstauchern, wird von einem Konzern beauftragt, ihr Unterwasserkraftwerk zu warten, mit rätselhaften Auflagen für die Tauchergruppe.
Nach einer mysteriösen Entdeckung, verlaufen die Wartungsarbeiten aber nicht nach Plan.
Schon bald beginnt ein Kampf ums nackte Überleben weit unter der Meeresoberfläche.

Hydrophobia ist ein nichtkommerzielles Hörspiel von Hoerspielprojekt.de von Bastian Georg Lembrecht, unglaublicherweise sein Erstlingswerk. Er ist neben dem Skript und der Regie auch für den Schnitt, das Sounddesign und den Großteil der Musik verantwortlich. Das macht das Hörspiel zu einem Werk wie aus einem Guss, das mit stolzen 125 Minuten Spielzeit Platz auf zwei CDs findet, so mensch sie sich aus den Downloaddateien brennen möchte.

Die Sprecher_innenriege versammelt einen großen Teil der „großen“, bekannten Stimmen aus dem Hoerspielprojekt bzw. aus der freien Hörspielszene. Tabita Hammer ist vielen auch aus Mindcrusher-Hörspielen ein Begriff, ebenso Markus Raab. Dirk Hardegen mittlerweile durch sein eigenes kleines Label „Ohrenkneifer“, Martin Sabel ist trotz seines „Professionellen“status in der freien Szene durch viele Engagement wohl bekannt. Auch andere Namen klingen bekannt und sind schon mit Ruhm aus anderen Produktionen befleckt. Demzufolge ist die Sprechleistung bis auf kleine Ausnahmen durchgehend gut bis wirklich toll. Hervorzuheben sei auch Björn Korthof als Schachspieler, der bei minimalem Text eine großartige Leistung erbringt.

Die Story hat viel von Science Fiction, was nicht nur daran liegt, dass das Hörspiel zeitlich in der nahen Zukunft angesiedelt ist. Die Schwerelosigkeit der Unterwasserwelt, der enorme Wasserdruck der Tiefe ist ebenso faszinierend und beklemmend wie das Vakuum des Alls. Allerdings genügt es Lembrecht nicht, sich nur an das Space-Genre anzulehnen, er schafft mit seinem Unterwasserthriller etwas Neues aus verschiedenen bekannten, aber wenig gebrauchten Elementen.
Das Skript bringt die Geschichte wunderbar rüber. Viele Dialoge sind sehr gut gelungen und vermitteln die Gefühle der Figuren sehr nah und macht aus ihnen wahre, unverwechselbare Charaktere, von denen mensch die Protagonist_innen beim Hören sofort lieb gewinnt. Der Erzählpart ist unheimlich atmosphärisch und bebildert das geschehen gekonnt.

Das Sounddesign und die Musik machen Hydrophobia dann endgültig zum Atmoknüller. Alles ist aufeinander abgestimmt. Lembrecht hat an vielen Stellen Effekte gesetzt, auf die andere nie im Leben gekommen werden. Diese Detailverliebtheit und liebevolle Soundgestaltung sind auch der Grund, warum dem_r Hörer_in das eine ums nächste Mal Schauer über den Rücken laufen, dass mensch kaum zu atmen wagt.
Nur an einigen Stellen funktioniert der Mix nicht vollkommen, besonders, wenn große, hallende Räume akustisch dargestellt werden müssen. Solche Szenen sind aber in der nächsten Minute fast wieder vergessen, wenn die sphärische, oft synthesizerbasierte Musik wieder einsetzt, die durch ihren Wave-Charakter einen herrlich düsteren und speziellen Kontrast zu vielem schon so oft gehörten setzt.

Fazit: Wer nach Hydrophobia eine Aquaphobie entwickelt, dem sei kein Vorwurf zu machen. In den über zwei Stunden reißt der Spannungsfaden nicht ein einziges Mal ab, obgleich er unheimlich straff gespannt ist. Die Action- und Horrorelemente sind großartig, aufwühlend, der Ideenreichtum der Story schier überwältigend. Das Hörspiel ist eines der besten Beispiele für die qualitative Leistungsstärke des nichtkommerziellen Hörspiels, das sich nicht nur mit dem kommerziellen misst, sondern es ohne Mühe durch Innovation und viel Liebe zum Detail überflügelt.
Trotzdem ist es noch nicht perfekt, es ist eben ein Erstling. Wer weiß, ob nicht ein zweiter Teil folgen wird, der das Potential hat, einfach alles richtig zu machen. Das Ende der Story ließe diese Option offen. Doch was es auch immer wird, Bastian Lembrechts nächstes Hörspiel wird in der Community sicherlich mit Spannung erwartet. Bis dahin lässt sich Hydrophobia hier frei herunterladen.

Bewertung: 13/15

Dieser Beitrag wurde unter Hoerspielprojekt.de, Nichkommerziell, Rezension veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.