Lightstreams 1 – Im Schatten des Verstandes

Lightstreams 1

Manchmal ist die Wirklichkeit spannender als jeder Krimi. Doch im Schatten des Verstandes verschwimmen die Grenzen zwischen den Realitäten. Für einen Mann ohne Gedächtnis in einem Hotelzimmer am Ende der Stadt hat die Reise eben begonnen. Doch nicht alles ist, was wie es scheint…

Die Lightstreams der Mindcrusher Studios sind ein verdammt interessantes Projekt, inhaltlich wie produktionstechnisch. Es handelt sich dabei um Kurzhörspiele, die die Grenzen des Wirklichen und des Möglichen verwischen, die Realität aufbrechen und Beängstigendes darunter zu Tage führen. Außerdem gibt es bis auf Produzentin Oda Plein kein festes Produktionsteam. Sowohl Mitglieder der Mindcrushers, als auch externe Interessierte können ihr Skripte schicken, die dann (wenn sie den Ansprüchen genügen) von immer wieder wechselnden Verantwortlichen geschnitten, produziert und gesprochen werden.

Über die Story der ersten Folge darf eigentlich gar nichts verraten werden. Falk T. Puschmann (hier sein Blog), einer der beiden Verantwortlichen des kommerziellen Labels innovative fiction nutzt die Chancen der Kurzgeschichte voll aus. Der_Die Hörer_in wird (nicht ganz) ohne Vorwarnung in die Geschichte geworfen, weiß genauso wenig wie der Protagonist, erlebt selber den Trip, der letztendlich nach nur 11 Minuten (inklusive der Credits) zur verstörenden Erkenntnis führt.

Obwohl die Lightstreams vor allem von der Story leben, trägt Dirk Hardegen, seines Zeichens der Mensch hinter Ohrenkneifer und damit Macher von Road to Hell als Sprecher des Protagonisten sehr zum Gelingen bei. Die anderen Sprecher_innen sind in der Kürze kaum zu beurteilen, machen ihren Job aber überwiegend sehr gut.
Ein in den späteren Folgen immer wiederkehrendes Element sind die Pro- und Epiloge, die Markus Raab (auch Erzähler in Rick Future), die atmosphärisch einleiten und am Ende zum Nachdenken anregen sollen. Hier wurde textlich vielleicht etwas dick aufgetragen, doch Raab überzeugt auch hier mit schönem, aber auch bedrohlichem Bass.

Sound und Effekte (Jan Boysen) und Musik (Markus Holler) sorgen dann endgültig dafür, dass sich das Hörspiel in der kurzen Zeit tief ins Hirn frisst und dort einnistet. Alles hat wabernden Geräuschcharakter und nichts Konventionelles oder Reales mehr, an dem mensch sich festhalten könnte. So wird die ganze Welt ins Reich des Irrealen gespült.

Fazit: Der erste Lightstream ist ein kleines Kunstwerk. Alles, vom Skript bis zum Cover passt hervorragend zusammen und setzt sich im Kopf fest. Der experimentelle Sound macht vor allem jenen Spaß, die Lust an Neuem, Absurdem und Psychedelischem haben. Eigentlich hat das Hörspiel volle Punktzahl verdient, weil ich aber weiß, dass es noch besser wird, gibt es erstmal nur 14 Punkte.
„Im Schatten des Verstandes“ ist ein kurzer Trip, aber nichts für zwischendurch und vor allem mit längeren Folgen.
Weil es nichtkommerziell ist, gibt es das Hörspiel frei zum Download.

Bewertung: 14/15

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