Horrorhaus 1 – Owls Creek

Es sollten für Patrick Gomez ein paar entspannte Tage auf dem Land werden. Doch das, was sich hinter der idyllischen Fassade des kleinen Dörfchens Owls Creek verbirgt, wirft Patrick schnell wieder in seinen Alltag als Hüter des Gesetzes zurück.

Wenn Kunst beliebig wird, wenn sie all ihre Regeln dekonstruiert, dann gibt es immer Kunstschaffende, die sich einfach neue basteln und mal schauen (bzw. schon sehr genau überlegen), was dabei rauskommt. Das war bei Arnold Schönberg mit seiner Dodekaphonie Anfang des 20. Jahrhunderts so, das praktizierte auch der Regisseur Lars von Trier in den 90ern mit seinen Dogma-Filmen.
Ihn zum Vorbild hat das kleine Label fear4ears in Hinblick auf seine „Horrorhaus“-Reihe. Macher Sönke Strohkark schuf vier Dogmen, die er in jedem Hörspiel der Serie (bisher sind es 2) einhält. Jedes Geräusch nimmt er für die jeweilige Folge auf und verwendet keine Sounds Archiven, auch nicht aus seinen eigenen(1). Es gibt weder Erzähler(2) noch Happy End(3). Zuletzt ist in jedem Hörspiel der Satz „Es geschehen ja scheinbar noch Zeichen und Wunder“ zu hören(4).
Owls Creek ist Strohkarks erste veröffentlichte Produktion. Dem „Umweg“ über das Nichtkommerzielle Hörspiel spart er sich. Und mit seinem Debut hat er es aus dem Eigenvertrieb in das Programm von pop.de geschafft.

Das Hörspiel fesselt ungemein. Seine Stärke sind vor allem die unheimlichen, liebevoll gestalteten und gerade deshalb unglaublich gruseligen Soundeffekte, Stimmverzerrungen und akustischen Schockmomente, die es vollkommen ungeeignet zum Imdunkelnhören machen.
Die meisten der Sprecher_innen, alle sprechen zum ersten Mal in einem Hörspiel oder haben es noch nicht oft getan, können überzeugen. Einige schaffen es auch nicht, was ab und zu irritiert, aber nicht sehr stört. Der Akzent des Protagonisten wirkt so überzeugend, dass er selbstverständlich wird. Viel zu oft ist derartiges in die Hose gegangen, war ein Akzent nervig-aufgesetzt. Der Mut, ihn sogar einer so textreichen Rolle zu geben, hat sich gelohnt – es sticht als neues Moment hervor.
Die Musik ist ebenso überwiegend gut. Doch vor allem die schlecht modulierten Perkussionselemente stechen negativ hervor. Wenn eine Snaredrum eindeutig nach Computer klingt, sollte sie lieber weggelassen wird. So viel sollte ein kommerzielles Hörspiel leisten.

Die Story ist nicht schlecht, aber auch durchwachsen. Stellenweise trägt auch sie maßgeblich zur Spannung bei und ist vor allem am Anfang mitreißend. Leider verliert die Erzählung mit der Zeit die Führung, bei der Entwicklung der Story wird der_die Hörer_in irgendwann nicht mehr richtig mitgenommen, sodass das Ende, die Auflösung, ein wenig plump wirkt.
Das Nicht-Happy-End ist recht schwach ausgefallen. Aus Spoilergründen möchte ich natürlich nichts verraten, aber da hätte einfach mehr passieren soll bzw. hat da noch etwas gefehlt, um das Ende zu dramatisieren.

Fazit: Mit Owls Creek im CD-Player fühlt sich im Zimmer niemand sicher, geborgen oder auch nur wohl. Das Hörspiel verspricht feinsten Grusel und ein wunderbares Setting dafür. Leider lässt die Story mit der Zeit etwas nach, der Gesamteindruck ist auch von der Qualität der Produktion noch nicht ganz stimmig. Vielleicht hätten sich die Akteur_innen vorher ein wenig mehr ausprobieren sollen. Die künstliche Dogma-Beschränkung ist zwar etwas neues und interessantes, es scheint aber weniger sinnvoll, eine künstlerische Karriere damit zu beginnen anstatt einen späteren Wegpunkt zu markieren. Die gesammelte Erfahrung wird jedoch sicher für weitere fesselnde Hörspiele gebraucht werden können. Und das ist der erste Teil des Horrorhauses auf jeden Fall: fesselnd.

Bewertung: 10/15

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