Rick Future Extra – Zweitkontakt

Rick Future Extra 2 - Zweitkontakt

Vor achttausend Jahren besuchten Wesen aus einem anderen Universum unsere Galaxis. Nun steht ihre Rückkehr kurz bevor.
Rick und seine Crew erhalten den Auftrag, die Besucher zu erwarten und Kontakt zu ihnen herzustellen. Sie machen sich augenblicklich auf den Weg in den Golgotha-Sektor, wo der Zweitkontakt stattfinden soll. Doch Rick und seine Freunde sind nicht die einzigen mit diesem Ziel…

Bei „Zweitkontakt“ handelt es sich nicht um ein Hörspiel aus der regulären Rick-Future-Reihe, sondern um die zweite Folge der „Rick Future Extras“. In vielerlei Hinsicht geht Macher Sven Matthias hier andere und neue Wege.
Anders als bei den Hörspielen der ersten und zweiten Staffel gibt es nur zwei Sprecher: Markus Raab, der auch normalerweise den Erzähler spricht und Sven Matthias, sonst „nur“ als Rick Future zu hören. Es handelt sich also weniger um ein Hörspiel, sondern eher um ein Hörbuch, das musikalisch von Erdenstern untermalt wird, die auch für gewöhnlich nicht allein, sondern neben Alexander Gühlke und Tom Steinbrecher die Musik beisteuern.
Die größte Besonderheit stellt aber die Geschichte dar. Sie wurde nicht wie üblich von Sven Matthias, sondern von Dane Rahlmeyer, bekannt durch seine Skripte für Pandoras Play wie „Terra Mortis“ oder „Das dunkle Meer der Sterne“. Die Handlung lässt sich zeitlich irgendwo zwischen das „Projekt Tantalus“ (bisher ist die erste Folge als Extra 01 erschienen) und die reguläre Serie einordnen.

Es ist faszinierend, wie leicht es Rahlmeyer zu fallen scheint, in das Rick-Future-Universum einzutauchen. Er lässt die Charaktere handeln, denken und sprechen, wie Schöpfer Sven Matthias es getan hätte. Was dabei positiv auffällt, ist eine enorm bildhafte Sprache, die volle Metaphern und Bilder die verschiedenen Situationen, in denen sie eingesetzt werden, noch einmal konkretisieren und ausmalen. Die Story selbst ist fast schon politisch zu nennen. Rahlmeyer hat den Mut, ein antiklerikales und antidogmatisches (nicht unbedingt antireligiöses) Statement zu setzen, indem er einer Art „Entwicklungshilfe“ hin zu einer friedlichen Gesellschaft ohne Nationen, ohne Privateigentum und voller anderer Elemente anarchistischer Utopien, den unbedingten Alleingeltungsanspruch der Transgalaktischen Kirche in Person von Admiral-Bischof John Quintus, einem wahngetriebenen Kirchenvorsteher, und dessen Gefolgschaft gegenüberstellt. Mutig deshalb, weil die Hörspielszene sich sonst kaum politisch gibt und bis auf einige Ausnahmen eher auf Unterhaltung setzt, als sich an umstrittenere Themen heranzutrauen.

Die zwei Handlungsstränge übernehmen jeweils die zwei Sprecher. Markus Raab erzählt in gewohnter, guter Manier aus der Sicht der Anhänger der Transgalaktischen Kirche, während Sven Matthias das Geschehen auf der Eric schildert. Interessant ist, wie er selber seine eigenen Charaktere stimmlich interpretiert. Beide lassen durch ihre ruhige Erzählweise die richtige Stimmung aufkommen, die die Geschichte verdient und braucht. Es tut einfach gut, ihnen zuzuhören.

Geräusche, die die Handlung unterstützen, gibt es keine. Dafür die Musik von Erdenstern, die als weiteres Element die Atmosphäre der Folge transportiert. Sphärisch untermalt sie die Geschichte, verstärkt vor allem die Schilderungen von leuchtenden Farben im Weltraum, ist selber die Musik der Besucher aus dem anderen Universum und begleitet besonders eindrucksvoll die Schönheit der sterbenden Sonnenwanderer in der ersten Szene (die auch wunderschön geschrieben ist).

Das Cover wurde wieder von Wolfram Damerius gestaltet und zeigt neben sehr markanten Zeichnungen der Charaktere das transzendente Farbenspiel, das mit dem Auftauchen der Fremden beschrieben wird. Von Folge zu Folge entwickelt sich sein Rick-Future-Stil immer mehr in eine ernste, düster-schöne Richtung, der mit den Folgen wächst. Wie die Geschichten der Hörspiele scheint er (der Stil)“erwachsener“ geworden zu sein.

Zuletzt sei noch das Bonuspaket erwähnt, das im Download steckt. Neben den gewohnten Covern, Rückseiten, Booklets und dergleichen zum Ausdrucken und im Jewelcase verstauen, gibt es diesmal Bildschirmhintergründe in verschiedenen Formaten mit dem Covermotiv der Folge, eine erste Sammelkarte, der noch mehr folgen sollen, mit Rick Future und eine pdf-Version des Rick-Future-Comics, der auf DIE HÖRSPIEL, der Hamburger Hörspielmesse am 19. Juni dieses Jahres kostenlos verteilt worden ist. Wer also nicht da war und auch kein Exemplar aus den zurückgehaltenen Beständen zugeschickt bekommen hat, kann jetzt trotzdem lesen und schauen, was im Heft passiert. Zudem gibt es auch noch das Skript der Folge als pdf zum Nach- oder Mitlesen.

Fazit: Eine recht ungewöhnliche, aber sehr gelungene Folge. Von Anfang bis Ende (das sind 69 Minuten) lauscht mensch der wunderschönen und zuletzt auch aufreibenden Story. Der minimalistische Charakter der Folge macht die leisen Töne, die angeschlagen werden, erst richtig möglich. Sie genügen, um ein ganzes Universum auszufüllen. Wer vorher noch nichts mit Rick Future zu tun hatte und vielleicht dem Science-Fiction Genre oder genauer der Space Opera ein wenig kritisch gegenübersteht, kann sich diese Geschichte getrost als Einstieg anhören, um die Begeisterung zu verstehen, mit der Fans an dieser Serie hängen.
Fast unglaublich, dass dieses Projekt frei zum Download angeboten wird. Es wäre nicht übertrieben, Rick Future als qualitativen Headliner des Hörspielprojektes zu bezeichnen. Die Folge bestätigt diesen Status.

Bewertung: 15/15

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