Road to Hell

Road to Hell

Buchhalter-Job und brave Ehefrau – Doug Winterferry führt ein artiges Leben in der Provinz. Bis sein eigener Chef ihm eines Tages ein fatales Geständnis macht, dass den Biedermann schlagartig auf die schiefe Bahn kegelt. Mit 15-tausend Piepen in der Brusttasche, Colt im Hosenbund und reichlich Wut im Bauch.

Mit dem Label Ohrenkneifer wagt Dirk Hardegen den Sprung in den kommerziellen Bereich. Eigentlich ist er einer von uns – vom Hoerspielprojekt.de. Sein erstes Hörspiel, „Road to Hell“ verspricht „Eine irrlichtende Pulp-Krimi-Odyssee vom Biedermann zum Desperado, eine Rutschpartie aus dem Vorstadt-Idyll… in den Vorhof zur Hölle“ zu sein. Etwas reißerisch beschrieben vielleicht – und das mag auch schon dem Stil des Hörspiels entsprechen – aber auf jeden Fall genau die Tendenz, die Hardegen einschlägt.
Das Stück füllt die CD mit 75 Minuten, erhältlich ist das Hörspiel ausschließlich bei pop.de.

Die Story ist etwas zwischen Tarantinofilm und „XII“, dem psychedelischen Comicshooter. Die Story wird dem gestellten Anspruch, ein Roadhörspiel mit Actionelementen zu sein, sehr gerecht. Douglas Winterferry taumelt von der einen Scheiße in die andere, befindet sich auf der Flucht vor der Polizei, die ihm einen Mord und Veruntreuung anhängt. Als linear kann die Story bei so viel Chaos wohl kaum bezeichnet werden, am Ende überrascht sie aber noch einmal gewaltig und ist trotz der überdurchschnittlichen Laufzeit sehr kurzweilig.

Die Sprecherriege dürfte all jenen zum Großteil bekannt sein, die sich mit nichtkommerziellen Hörspielproduktionen beschäftigen. Sven Matthias ist mit von der Partie, Detlef Tams und Roman Ewert zum Beispiel. Die Hauptrolle hat Dirk Hardegen selbst übernommen. Die Sprecherleistungen sind durch die Bank gut, einige Stellen zeugen jedoch davon, dass hier nicht nur ausgebildete Sprecher am Werk sind. Das stört den Hörfluss aber gar nicht und unterstützt eher den Charme des Hörspiels.

Das Sounddesign und der Mix sind ordentlich, nicht herausragend, aber tut mehr, als nur die Story zu illustrieren. Hier und da knallt ein Revolver mal etwas schwächer als gewohnt, an anderen Stellen bemerkt mensch die Sounds kaum, eben weil sie gut und natürlich gesetzt sind. Genau so, wie es sein sollte.
Die Musik, auch von Dirk Hardegen, ist spärlich eingesetzt, gibt der Story und der Desperadoatosphäre aber noch einmal Vorschub.
Eigentlich sind mir Coverdesign und dergleichen gar nicht so wichtig, hier ist es aber erwähnenswert. Das versteht nur, wer das Digipack (ich lieeebe Digipacks) in der Hand hält. Schade, dass im Internet nur die Vorderseite zu sehen ist, denn die Rückseite und das innere zeigen trippige comicartige Szenen, die durch ganz bestimmte Szenen im Hörspiel inspiriert zu sein scheinen und begleitend großen Spaß machen.

Fazit: „Road to Hell“ ist ein wirklich gelungener Einstieg ins kommerzielle Segment. Auch wenn ab und zu noch ein wenig die „Amateur“herkunft durchscheint, punktet das Hörspiel vor allem durch Atmosphäre und Story. Da lohnt sich der Kauf auf jeden Fall, zumal damit ein noch junges Label unterstützt wird, dessen zweite Produktion gerade in Arbeit ist.

Bewertung: 13/15

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