Flattr im Mai und Grundsätzliches

Und es ist wieder so weit. Der zehnte im Monat zeigt mir im Detail, was bei Flattr so rumgekommen ist. Ich zeige es euch und erzähle noch was ganz anderes. Genau das passiert jetzt wieder.

Die Flattreinnahmen sind gar nicht der Rede wert, obgleich ich mich doch sehr drüber freue. Auch jede_r Visiter_in auf der Seite beglückt mich. Danke für euer Interesse! Jetzt fehlen nur noch Kommentare. ;)

Die Rezension zur zweiten Timeshiftfolge und die nachfolgende Diskussion im Forum von Soundtales Productions veranlasst mich dazu, mal zu erwähnen, was ich allgemein so für Auswahlkriterien für meine Blogeinträge habe.
Das hier ist ein reines Freizeitprojekt. Angefangen habe ich letztes Jahr Ende September, weil ich es satt hatte, Hörspiele bei Twitter nur mit 140 empfehlen zu können, wenn ich was tolles gefunden hatte. Also habe ich mich daran gemacht, ausführlicher zu rezensieren. Eine zweite Motivation war es, dass ich so gut wie keine Blogs kannte, die sich der nichtkommerziellen Hörspielszene widmen. Diese Lücke wollte ich gern schließen. Auch ist mir aufgefallen, dass viele Rezis wenig informativ und oft sehr kurz sind. Dagegen wollte ich etwas ausführlichere Bewertungen und tiefergehend recherchierte Beiträge setzen. Mein Vorteil dabei ist, dass ich selber seit anderthalb Jahren in der freien Hörspielszene aktiv bin und mich mittlerweile ein wenig auskenne.
Was ihr unbedingt wissen solltet und hier eigentlich nie explizit erwähnt wurde: Alle hier kritisierten und rezensierten Hörspiele können als Hörempfehlungen meinerseits aufgefasst werden. Auch der nichtkommerzielle Markt ist viel zu groß, um sich intensiv mit allen Produktionen zu beschäftigen. Um eine Rezension zu schreiben, höre ich mir ein Hörspiel mindestens drei Mal an, um einen wirklichen Eindruck dazu zu bekommen, achte jedes Mal auf verschiedene Aspekte und höre bei Bedarf auch noch einmal quer. Dieser Aufwand und meine knappe Freizeit bedingen die Tatsache, dass ich mir nur Produktionen vornehme, die ich gut finde, die mich aus irgendeinem Grund begeistern oder die ich anderweitig interessant finde. Daher sind die Bewertungen auch immer recht gut. Für die meiner Meinung nach schlechten Hörspiele nehme ich mir gar nicht die Zeit. Daher kann jede_r auch getrost zu den Produktionen greifen, die hier eine schlechtere Bewertung abbekommen als andere.
Das soll natürlich nicht heißen, dass ich alles doof finde, was hier nicht auftaucht. Ich kenne nicht alles und ich hab auch nicht immer die Zeit, über all das zu schreiben, was mir gefällt. Aber allgemein kann mensch sagen: Was hier auftaucht, halte ich für hörenswert. Ich will vor allem eine Plattform für nichtkommerzielles Hörspiel und kleine Labels bieten. Und daher freue ich mich auch über alle, die hier vorbeischauen und nachlesen, was es da draußen alles an tollen Hörspielen abseits des Mainstreams gibt.
So, das musste mal gesagt werden.

Ich freue mich weiterhin über Hörempfehlungen und jedes weitere Feedback.

Ich verbleibe, euch nett, lieb, freundlich grüßend
Euer Pandialo



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Mindnapping 3 – Der Trip

Was für fünf junge Leute eine Mutprobe im alten Oakley-Haus werden sollte, nimmt eine schreckliche Wendung. Geht es dort um? Haust dort etwas im Keller? Der Trip wird zum Albtraum! Wer wird überleben?

Nach der Doppelveröffentlichung der ersten zwei Folgen und und damit der Vorstellung seines neuen Labels Audionarchie veröffentlichte Patrick Holtheuer vor ein paar Tagen den dritten Teil seiner Reihe „Mindnapping“. Wie auch in den ersten Teilen balanciert die Geschichte auf den Nervenbahnen des_der Hörer_in, scheint ab und zu ins mysteriöse abzustürzen, um aber letztendlich doch die Wahrnehmung der Charaktere selber infrage zu stellen, nicht die Realität. Dass die Skripte von welchselnden Autoren stammen, ist teil des Mindnappingkonzeptes. Dieses Mal hat sich auch die Verantwortlichkeit im Bereich Schnitt, Musik, Mix und Mastering geändert.

Bei der Geschichte handelt es sich laut Selbstbeschreibung um eine Hommage an Jugend- und Gruselhörspiele. Meiner Meinung nach ist noch eine gewaltige Menge 90er-Jahre Teenyslasherfilmeinfluss dabei. Diese insgesamt drei Komponenten werden auch explizit im Geschehen erwähnt, Bezüge offen hergestellt, um sie ein wenig zu parodieren, ein wenig zu würdigen. Auch Bezüge zur ersten Folge gibt es am Rande.
Die Besetzung im Schreibprozess gleicht der der ersten Mindnappingfolge. Die Idee stammt von Patrick Holtheuer und Marcus Görnern, letzterer schrieb auch das Skript. Tatsächlich entspricht es wieder dem selbstgestellten Anspruch, wendungsreich und unheimlich zu sein. Die Dialoge sind gut, die Charaktere sind teilweise jedoch etwas blass, vielleicht weil auf eine gewisse Einseitigkeit zur Wiedererkennung gesetzt wurde. Für ein Hörspiel von der Länge einer knappen Stunde reicht es aber allemal. Schön und gelungen umgesetzt ist die Technik der zwei Zeitebenen, deren Beziehung zueinander Szene für Szene klarer wird und sich zum Schluss als stärker und gravierender als ursprünglich vermutet herausstellt.

Einige der Sprecher_innen sind mittlerweile fast schon Stammbesetzung bei Mindnapping. Gordon Piedesack und Stephan Chrzescinski geben wieder die zwei Cops aus der ersten Folge, auch Konrad Halver ist wieder mit dabei und wieder großartig. Martin Sabel hat in seiner Rolle nicht allzu viel zu sagen, spielt aber echt toll. Die Sprecher_innen der Jugendlichen machen sich gut, wobei keine_r wirklich herausragt. Insgesamt sind sprechen alle sehr zufriedenstellend. Einen kleinen Gastauftritt haben die Brüder Simon und Thilo Gosejohann.

Während die gesamte Postproduktion der bisherigen Reihe Dirk Hardegen vom Label Ohrenkneifer zufielen, ist in der Folge 3 Marko Peter Bachmann von den Hamburger Gracelandstudios für Schnitt, Musik, Mix und Mastering verantwortlich. Über den Grund des Wechsels ließe sich nur spekulieren. Offiziell wurde da nichts thematisiert. Vielleicht will sich Hardegen auch einfach nur mehr seiner eigenen Arbeit widmen.
Bachmann macht einen guten Job. Auch wenn der Dialogschnitt an einigen Stellen etwas flüssiger sein könnte, ist das Sounddesign bis auf einige wenig gravierende Ausnahmen sehr gelungen und präzise. Dadurch kommt einiges an Atmosphäre auf, mehr als in den ersten zwei Folgen.
Musik wird außerhalb von Atmos so gut wie gar nicht eingesetzt, im Grunde nur eine kurze Klaviersequenz, die einige Kapitel einleitet und ein wenig schwach klingt, akustisch wie kompositorisch. Konsequenterweise hätte mensch auch auf sie verzichten können.

Fazit: „Der Trip“ ist im Grunde ein unterhaltsamer Thriller mit einigen Psychoelementen. Die Hommage ist gut gelungen, die Auflösung nicht unerwartet, aber doch intelligent konstruiert. Dabei ist der Titel im mehrfachen Sinn zu verstehen. Es geht natürlich nicht nur um die Autofahrt zum Geisterhaus.
Zwar hat Audionarchie bisher noch nicht das eigentlich angekündigte Oberhammerpsychothrillerhörspiel produziert, bestätigt doch aber ihren sich langsam herauskristallisierenden Status als kleine Schmiede solider und guter Produktionen. Alles andere kann ja noch kommen. Bis dahin sei die dritte Folge der Mindnappingreihe guten Gewissens empfohlen. Mit Trägermedium kann sie bei pop.de erworben werden oder bei allen bekannten Downloadportalen, die von Highscoremusic bedient werden.

Bewertung: 12/15

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Update:
Patrick Holtheuer war so nett, den Cutterwechsel zu kommentieren, um mich nicht allein spekulierend im Regen stehen zu lassen.

„Was den Wechsel von Dirk zu Marko betrifft, so muss man nicht spekulieren, das kann ich auch gerne verraten. Dirk möchte sich lieber seinen eigenen Produktionen widmen, was ich absolut verstehen kann und respektiere. Thematisiert habe ich das nicht, weil ich da keinen Grund zu sah, das ist ja jetzt keine Sensation und es gab auch keinen Streit oder Stress.
Mit dem Wechsel bin ich sehr zufrieden, da ich die Produktion insgesamt satter und wuchtiger finde, Dirk hat bei den ersten beiden Folgen aber alles andere als schlechte Arbeit geleistet und ich drücke ihm die Daumen für seine eigenen Werke.“ Quelle



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Timeshift 2 – Paperchase

Was haben ein Zeitreisender wider Willen, ein Revisor der Tempus Fugit Kongregation, eine kleptomanische Hotelangestellte, zwei eloquente Auftragskiller und ein FBI Agent gemeinsam?
Sie alle begehren ein Stück verloren geglaubte Revisorentechnik.
Shaun und Dulgar müssen auf ihrer Hatz durch den Großstadtdschungel erkennen, dass ihr Auftrag mit mehr Gefahren verbunden ist, als sie zunächst dachten.
Im Jahr 2014 forschen JD, Jade und Professor Winter unterdessen nach einem Weg, Shaun in seine Zeit zurück zu holen und müssen einen schweren Rückschlag hinnehmen…

Nachdem die Menschen von Blackdays – eigentlich Informatikstudenten und ihre Freunde – in der ersten Folge von Timeshift ihren Protagonisten Shaun bei einer unfreiwilligen Zeitreise zwei Weltkriege haben verhindern lassen (was zwei Weltkriege nach sich zog, und zwar so, wie wir sie kennen), landet er nun im New York des Jahres 1999, wo sie einmal mehr Teil der Geschichte werden. Diesmal geht es vor allem um einige Patzer, die sich FBI-Agent John Patrick O-Neill Ende der 90er leistete und die durch die erzählte Geschichte in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Die Story der Folge „Paperchase“ ist ganz amüsant. Als Hörer_in erfährt mensch darüber hinaus noch einiges über die Revisoren und ihre Technik, die ein Stück weit im Mittelpunkt steht, aber auch über die Folgeereignisse im CERN. Leider hat die Geschichte ein ziemlich großes Logikloch: Wenn die Revisoren allem Anschein nach kreuz und quer durch Zeit und Raum reisen könne, warum kehrt Dulgar dann nicht mit Shaun ins Jahr 2014 zurück, ohne weiteren Blödsinn mit der Geschichte anzustellen? Insgesamt ist die Rahmengeschichte etwas unmotiviert. Außerdem hätte das Skript einiges an Straffung bedurft. Minutenlange ins Nichts führende Dialoge voller sinnloser Schimpftiraden und grundloser Beleidungen zehren ziemlich an den Nerven, wobei diese auch noch durch die Sprechleistungen deutlich verlieren.

Die Sprecher_innen sind ganz unterschiedlich einzustufen, aber keine_r kommt über ein „ganz okay“ hinaus. In den schlimmsten Fällen wurden Menschen besetzt, die Mühe zu haben scheinen, den Text überhaupt vom Blatt abzulesen. Die ohnehin langen Dialoge werden damit umso anstrengender. Da alle Mitwirkenden aus dem Freundeskreis zu stammen scheinen, ergeben sich oft Probleme mit Dialekten, die in einem englischsprachigen Umfeld komplett deplatziert scheinen.

Das Sounddesign kann ebenfalls kaum glänzen. Anscheinend wurden einfach die Aufnahmen aneinander geschnitten, ohne sich Gedanken um Equalizer und Halleffekte zu machen, die ja eigentlich erst die Räume schaffen, in denen sich die Figuren bewegen. Der Dialogschnitt könnte besser sein. Alle ausgesuchten Geräusche sind ebenfalls unbearbeitet, teilweise zu slapstickmäßig, die Atmos sind wie von der Stange. Die Musik dient meist dazu, eine Szene von der nächsten zu trennen, eine wirkliche Kontinuität zeigt sich nicht. Sie selber ist aber in Ordnung. Atmosphäre kommt da kaum auf.

Fazit: Ich muss sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Die Qualität der Produktion hat sich im Vergleich zum ersten Teil noch ein Stück verschlechtert. Bei den 80 Minuten Laufzeit hätte mensch durch intelligentes Kürzen sicherlich locker 20 Minuten einsparen können, die einem_r nun recht lang werden. Auch sollten sich die Produzenten überlegen, ob sie nicht nach und nach zumindest bei den nicht schon besetzten und wiederkehrenden Rollen auf andere Sprecher_innen zurückgreifen sollten, die ebenfalls in der freien Szene unterwegs sind bzw. ob ihre eigenen Sprecher_innen sich nicht auch an anderen Projekten beteiligen sollten, um ein wenig zu üben.
Nichts desdo trotz bin ich gespannt auf die nächste Folge, denn die Geschichte ist insgesamt gut. Die Folgen 3 und 4 sind anscheinend schon geplant, es wird an ihnen gearbeitet. Sie werden entscheiden, wie sich die gesamte Serie entwickelt und ob sie aus ihrem anstrengenden Amateurgewand schlüpfen kann.
Bis dahin gibt es Timeshift 2 – Paperchase hier zum freien Download.

Bewertung: 8/15

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Hinzufügungen (22.05.11): Bei der Recherche und beim Hören sind mir zwei Fehler unterlaufen. Ich werde sie nicht einfach verschwinden lassen, sondern post scriptum klarstellen.

Einerseits ist die Gruppe um BlackDays heterogener als ich angenommen hatte. Unter den Verantwortlichen befindet sich nur ein Informatikstudent, der sich um den Webauftritt kümmert. Ansonsten gehen sie ganz verschiedenen Professionen nach. Das ist zwar für das Hörspiel an sich nicht allzu wichtig, sollte doch aber hier nicht falsch weiter herumstehen.

Andererseits muss ich meine Kritik an der Rahmenstory etwas relativieren. In der Serie wird tatsächlich klargestellt, dass Shaun im Gegensatz zu den Revisoren nicht gezielt durch die Zeit reisen kann, was natürlich eine lange Serie voller historischer Ereignisse legitimiert. ;)

Allgemein möchte ich sagen, und das werde ich im nächsten Flattrpost noch einmal ein wenig ausführen, dass es sich bei allen von mir kritisierten Hörspielen auch um Hörempfehlungen handelt, egal wie die Bewertung ausfällt.

Im Forum der Soundtales Productions ist ein kleines Gespräch zwischen mir, den Produzenten und einigen anderen Menschen entstanden, angeregt durch diese Kritik. Ich habe im Dialog noch einmal einzelne Kritikpunkte genauer beleuchtet. Hier lässt sich alles nachlesen.



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Flattr im April

Da hab ich es tatsächlich geschafft, einen ganzen Monat lang nichts von mir hören zu lassen. Keine Sorge, das soll nicht die Regel sein. Tatsächlich sind vor allem Aktivitäten im Hörspielbereich, in diesem Fall als Sprecher, schuld. Kürzlich ist bei Soundtales Productions beispielsweise Die Fregatte der Träume von Frank Hammerschmidt erschienen, ein Kurzhörspiel, in den ich die Hauptrolle sprechen durfte. Nicht das non plus ultra, aber doch eine kleine schöne Arbeit.


Trotz meiner Inaktivität wurden mir immerhin 8 Cent zugeflattrt. Das geht so richtig nicht aus dem Revenue-Report hervor, weil dort nur zwei Nachkommastellen angezeigt werden, was dem System wohl noch ein paar Anzeigeprobleme im Endergebnis beschert.

Geplant sind für diesen Monat Rezensionen zum zweiten Teil von Timeshift und neuen Veröffentlichungen von pop.de, also aus dem kommerziellen Bereich. Dazu kommen wie üblich Hörspiele der großen freien Projekte.

Es grüßt euch
Pandialo



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Flattr im März

Hier wieder ein Transparenzpost.
Im letzten Monat sind von drei verschiedenen Menschen 2,11 Euro zusammengeḱommen. Vielen Dank dafür.
Im Monat März wurde das Blog von unheimlich vielen und im Gegensatz zu den anderen Monaten signifikant mehr Menschen besucht, was mich erfreut und gespannt macht, wie es weiter geht.
In der nächsten Zeit habe ich wieder eine ganze Menge zu tun, werde aber trotzdem versuchen, mir das eine oder andere Hörspiel zwischendurch vorzunehmen. Tips und Hinweise nehme ich wie immer und weiterhin gerne entgegen.

Noch vor dem nächsten Flattrpost werde ich in Berlin bei der Ohrkanuspreisverleihung sein. Vielleicht trifft mensch sich ja und geht danach gemeinsam was trinken.

Es grüßt
Pandialo


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Narcisse

Paris in den Nachkriegsjahren.
Narcisse Astor Courtemanche ist Privatdetektiv. Ein Detektiv, der für Geld alles macht. Als der skrupellose Geschäftsmann Henry Clairmont ihm den Auftrag erteilt, nach seiner Frau zu suchen, weiß Narcisse noch nicht, dass dies für ihn kein Auftrag wie jeder andere sein wird.

Anfang des Jahres 2010 wurde innerhalb des Hoerspielprojekt.de ein Skriptwettbewerb veranstaltet. Die eingereichten Hörspielskripte sollten nicht mehr als 15 Seiten umfassen und das Krimigenre bedienen. Mehr als ein Jahr später zehrt die „Community für Hörspielmacher“ noch immer von den damals entstandenen Skripten. Karsten Sommers gut halbstündiges Hörspiel „Narcisse“ erschien Ende Februar dieses Jahres. Es ist angelehnt an den Film Noir der 40er und 50er Jahre. Zu seiner Entstehung hat Sommer selber einen längeren Text geschrieben, der zeigt, wie viel Mühe, Liebe und Überlegung in seinem Hörspielerstling steckt. Diese Mühe merkt mensch der Produktion durchaus an – im positiven Sinne.

Die Story ist eine typische Detektivgeschichte. Ein eigentlich ganz normaler Auftrag läuft plötzlich aus dem Ruder, Protagonist Narcisse muss daraufhin versuchen, alles wieder ins Lot zu bringen. Dabei hätte die Geschichte ruhig noch etwas länger sein, die Handlung noch etwas reifen können, wobei genau das bei einem Kurzhörspielskript nicht möglich war.
Erzählt wird abwechselnd auf zwei zeitlichen Ebenen, einer actiongeladenen späteren und einer eher erklärenden früheren, die im Hörspiel dann an die spätere anschließt. Ein hübscher Kniff, um die Story nicht allzu linear daherkommen zu lassen und eher cineastisch gedacht. Funktioniert aber gut.
Die Dialoge sind gut, haben einen gewissen, charmanten Sprachwitz. Die Beschreibungen sind hier und da ein wenig unkonventionell, aber auf jedenfall sehr detailverliebt und anschaulich. Die Actionszenen sind wirklich stimmungsvoll geschildert. Eigentlich seltsam, dass das Skript es nicht weiter im Wettbewerb geschafft hat.

Bei den Sprecher_innen hat sich Sommer bewusst nicht für die bekanntesten Stimmen des Hörspielprojektes entschieden, sondern ist mit ganz eigenen Vorstellungen ans Casting gegangen. Seine Auswahl war recht gut. Christoph Memmert spricht einen in allen Lebenslagen sehr überzeugenden Privatdetektiv. Und vor allem Jan Schroeder, Ernst Dubitzky, Christiane Marx, Jens Wenzel und Oliver Kube sprechen ihre Figuren sehr charakteristisch.
Das Zusammenspiel zwischen den Figuren funktioniert nicht immer, was dem dezentralen Aufnahmeverfahren geschuldet ist. Auch sind einige französische Aussprachen stimmen nicht. Ansonsten ist alles tiptop.
Auf jeden Fall erwähnt werden müssen Thomas Kramer und Wolfram Damerius, die im sehr überraschenden Schluss vorkommen und einen verdammt guten Job machen. Um das etwas insidergagartige Ende zu verstehen, sollte mensch wissen, dass Thomas Kramer als Autor und Cutter beim Hörspielprojekt aktiv ist, während Wolfram Damerius viele der hervorragenden Cover gezeichnet hat. Mit Sven Matthias veröffentlichte er zur letztjährigen Hörspielmesse ein Rick-Future-Comic.

Schnitt und Sounddesign sind gut geworden. Vor allem mit den Atmosphären hat Sommer sich große Mühe gegeben. Interessant ist die Technik des gleichzeiten Erzählens und Erklingenlassens. Während beispielsweise Kämpfe aus Erzählersicht geschildert werden, ist alles etwas nach vorn oder hinten zeitversetzt zu hören. Dabei sind einige Geräusche noch nicht perfekt in den Gesamtsound eingefügt, insgesamt kann sich die Produktion aber sehr gut hören lassen.
Für die Musik wurde niemand bestimmtes engagiert, sondern passend zu den Szenen ausgesucht, was auch gut funktioniert hat. Sie ist mehr als nur bloße Begleitung und macht einen großen Teil der Film-Noir-Stimmung aus.

Viel Liebe hat Karsten Sommer auch in die Covergestaltung fließen lassen. Nicht nur das Layout, sondern auch die Zeichnungen stammen von ihm. Auch hierüber hat er einiges geschrieben. Das Cover ist nicht nur sehr stimmungsvoll sondern auch voller kleiner Ideen und witziger Details.

Fazit: Narcisse scheint wirklich eine Herzensangelegenheit zu sein. Aber mensch bekommt beim Download nicht nur Herzblut, sondern vor allem Qualität geboten. Das Setting und die Stimmung erinnern ein wenig an den kürzlich für die nächsten zwei Folgen geretteten Richard Diamond der Lauscherlounge. Wer diese Hörspiele mag, kann sich Narcisse getrost herunterladen und sich seines Hörsgenusses sicher sein. Ein paar kleine Unstimmigkeiten und Schnitzer bleiben bei der ersten eigenen Produktion natürlich nicht aus. Auch die Storyentwicklung und das überraschende Ende werden einigen Grund zu Kritik liefern. Dazu ist das Hörspiel gegen Schluss ein wenig zu sehr als Insider geplant. Trotzdem gibt es für Narcisse eine absolute Hörempfehlung.
Wie alle Hörspiele des Hoerspielprojektes gibt es Narcisse zum freien Download.

Bewertung: 12/15

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Narfland 2 – Der Weg durch den Weyfiar-Wald

Leon, Waslik, Pyliana und Hobs erreichen den gefährlichen Weyfiar-Wald, der von der Verderbnis des Schattenhaften in einen dunklen und Bösen Ort verwandelt wurde. Hier suchen sie nach der „Weisen des Brunnens“, um den Zufluchtsort der letzten Iahidan zu erfahren.
Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und die Gruppte muss sich den schrecklichen Syrtyden stellen…

Am Sonntag, den 13. März 2011 feiert das zweite Kapitel von Sven Matthias‘ Narfland Premiere. In der vorherigen Woche wurde bereits die Neubearbeitung der ersten Folge veröffentlicht. Nun geht es endlich weiter mit der auf fünf Folgen angelegten Fantasyserie.
Narfland besitzt viele Alleinstellungsmerkmale. Die Welt, die Sven Matthias kreiert, ist voll von neuen Ideen, die sich sonst in keinem Fantasyszenario finden. Auf der anderen Seite erinnern einige Elemente an andere Welten wie die des Herrn der Ringe oder die dunklen Lande von Abseits der Wege, ohne jedoch etwas davon zu kopieren. Fantasyfans werden sich die Hände reiben.

Die Handlung schließt unmittelbar an das Ende der ersten Folge an. Die Folgen scheinen durch die Schauplätze definiert zu werden, an denen sie handeln. War das erste Kapitel noch dazu da, in die neue Welt einzuführen und die Protagonist_innen kennen zu lernen, erfahren wir in der zweiten Episode mehr über ihre Motivation. Die Geschichte ist unheimlich spannend und kurzweilig. Es gibt nicht eine wirklich retardierende Szene, was den Erzählfluss zu einem reißenden Strom macht.
In den Dialogen wird viel über die Geschichte der Charaktere erzählt und angedeutet. Zur Charakterisierung der Figuren dienen sie weniger, sind aber in gewohnt guter Matthias-Qualität. Vor allem die emotionalen Situationen sind dialogtechnisch sehr gut gelungen.

Die Sprecher_innen sind dieselben wie in der ersten Folge, rekrutieren sich also vor allem aus der freien Hörspielsszene. Mit neuen Figuren sind Jamie Leaves, Christiane Marx und Sabrina Heuer dazugekommen. Sie liefern alle solide Sprechleistungen, allerdings nicht immer auf gleicher Stufe. Diesmal sticht vor allem Dirk Hardegen hervor, der Leon Cartwright spricht. Er spielt die Emotionen des Protagonisten unheimlich überzeugend und sehr eindrucksvoll. Auch Karsten Kollmann ist als Hobs wieder toll.

An der Umsetzung in Schnitt uns Sound ist so gut wie nichts auszusetzen. Der Dialogschnitt ist flüssig, die Geräusche plastischer als im ersten Kapitel. Toll gemacht sind die Effekte die auf den Sprechpassagen einiger Figuren liegen, um sie unheimlicher klingen zu lassen.
Die Musikdramaturgie ist, vor allem im Finale der Folge, hervorragend. Die Musik der Rollenspielmusiker_innen von Erdenstern ist allgemein etwas sparsamer eingesetzt worden, was sie, sobald sie erklingt, umso stimmungsvoller wirken lässt. Es sind sehr schöne, atmosphärische Kompositionen, die sich mal untermalend im Hintergrund halten, mal dramatisch die Spannung steigern oder sie grandios auflösen.

Wie schon bei der Titelgebung der Kapitel lässt durch das zweite Cover, wieder von Wolfram Damerius, ein Muster für die kommenden Folgen erahnen. So steht dieses Mal Casina, die die Held_innen suchen, im Vordergrund, Leon und der Dunkle im Hintergrund als Andeutung einer Weiterentwicklung in diesem Konflikt. Statt der Skyline Londons auf dem Cover der ersten Folge nehmen die Bäume des Weyfiar-Waldes den Hintergrund dezent ein. Auch die Farbthematik wird weitergesponnen und zeigt mit kräftigem Rot eine klare Referenz zur Handlung. Im Download sind auch ein Poster und alles nötige für die Gestaltung eines Jewelcases enthalten. So kann mensch sich Narfland auch ins Regal stellen oder die Wand mit dem überaus stimmungvollen Cover schmücken. Ein wirklicher Augenschmaus.

Fazit: Mit dem zweiten Kapitel von Narfland wird der_die Hörer_in erst richtig in den Sog der fantasievollen Geschichte gezogen. Wenn die kommenden Folgen ebenfalls so gut gemacht und geschrieben sind, könnte diese Reihe zum Geheimtip für alle Freund_innen des Fantasygenres avancieren. Qualitativ schlägt die Serie jedenfalls viele kommerzielle Produktionen dieses Genres, welche sich darüber hinaus oft in ewig langen Spielzeiten ergehen und eine_n Zweifel daran hegen lassen, ob sie jemals zu einem Ende kommen.
Das Potential, das die erste Folge noch offen gelassen hat, wurde hier zu großen Teilen genutzt. Es gibt kaum etwas zu bemängeln. Vor allem der andere Umgang mit der Musik hat die Dramaturgie und den Gesamtsound noch einmal um einiges verbessert.
Der Weg durch den Weyfiar-Wald macht ungemein Lust auf die kommende Folge. Sicherlich wird in den nächsten Tagen bekannt gegeben, wann diese erscheint. Hoffentlich geschieht das in nicht ganz so ferner Zukunft, auch wenn Sven Matthias nebenbei an der dritten Staffel zu Rick Future arbeitet. Die Folge macht einfach unheimlich viel Lust auf mehr.
Das zweite Narflandkapitel wird am Sonntag, den 13. März im Radio des Hoerspielprojekts mit dazugehörigem Premierenchat. Ab dem 14. März können dann die ersten beiden Folgen frei heruntergeladen werden. Den Link werde ich dann ergänzen.

Update: Alle bisher erschienenen Folgen gibt es hier zum freien Download.

Bewertung: 14/15

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Februarflattr und Gendergap

Hey ihr!

Zuerst mal das Geld: In diesem Monat sind 16 Cent zusammengekommen. Trotz der bombastischen Zugriffszahlen, über die ich mich umso mehr freue. Die Audionarchierezensionen scheinen auf großes Interesse gestoßen zu sein, ebenfalls die Vorabrezension von Narfland. Davon gibt es in dieser Woche noch die zweite Folge, die am Sonntag herauskommt. Allerdings ist das ja alles schon Märzgeplänkel und kein Februarvorfall. ;)

Zur zweiten Sache: Eigentlich fand ich es gar nicht erwähnenswert, aber da ich in letzter Zeit mehrmals darauf angesprochen wurde, möchte ich ein paar Worte über geschlechtergerechte Schreibweisen verlieren. Ich hab vor einer ziemlichen Weile schon darüber mit Silver Scythe auf ihrem Blog diskutiert.
Die These hinter gegendertem Schreiben ist, ganz kurz gesagt, dass Sprache das Denken beeinflusst und somit auch das verstärkt wahrgenommen wird, das zur Sprache kommt. Frauen sind in der deutschen Sprache stark unterrepäsentiert, vor allem, wenn für den Plural von Personengruppen, die nicht rein weiblich sind, konsequent die männliche Form gebraucht wird. Auch die allgemeine Form einer Person, etwa „Sprecher“, ist männlich. Männlichkeit gilt in Sprache und Gesellschaft also als Norm, alles andere, also Frauen oder Transmenschen sind Abweichungen davon. Um das Ganze differenzierter zu gestalten, habe ich lange Zeit die Form des Binnen-Is genutzt, also entweder von HörerInnen (m und w), Hörerinnen (nur w) und Hörern (nur m) gesprochen. Damit weiß jede_r sofort, was gemeint ist. Mittlerweile bin ich zur Gendergap übergegangen, die von der Annahme ausgeht, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, sowohl biologisch als auch sozial. Als Queerfeminist sehe ich es als problematisch an, dass mensch sich in eine von zwei sozialen Geschlechterrollen einordnen muss. Der Druck, der da auf eine_n ausgeübt wird, passiert bei vielen Menschen ganz unbewusst. Um mal zum Drübernachdenken anzuregen, nenne ich mit dem Unterstrich auch alle Menschen mit, die sich zwischen den Geschlechtern oder komplett jenseits davon einordnen.
Natürlich sehe ich ein, dass diese Schreibweisen ästhetische Defizite haben und relativ sperrig sind. Daher versuche ich sie in meinen Rezensionen so gut wie möglich zu umschiffen. Trotzdem sind sie mir ein echtes Anliegen.

So, das wär’s von mir für diesen 10. des Monats.
Ich freue mich weiterhin über Kommentare, Mails und alles andere, was Feedback ist.

Euer Pandialo

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Mindnapping 2 – Die 9mm-Erbschaft

Erst der Selbstmord ihres Vaters bringt die Brüder Richard und Brendan wieder zusammen. Sie besuchen die Orte ihrer glücklosen Kindheit. Tief in den Wäldern der amerikanischen Ostküste. Doch sie sind nicht allein. Etwas folgt ihnen. Schlägt immer wieder brutal zu. Konfrontiert die Brüder mit den Schrecken der Vergangenheit. Und treibt sie in den Wahnsinn …

Zusammen mit der ersten Folge der Serie Mindnapping wurde auch „Die 9mm-Erbschaft“ Ende Februar erstmalig vorgestellt, gehört also ebenfalls zum ersten Wurf des vor kurzem erst gegründeten Labels Audionarchie von Patrick Holtheuer. Auch diese Folge soll beweisen, dass auf dem Hörspielmarkt auch anderes möglich ist als billiger Grusel und endlose Serien. Das Konzept sieht vielmehr subtile Thriller und abgeschlossene Folgen vor, geschrieben von verschiedenen, oft in der Hörspielszene recht bekannten Autor_innen. Die 9mm-Erbschaft stammt von Raimon Weber, der bereits für Serien wie Gabriel Burns und Darkside Park geschrieben hat, also wohl prädistiniert für gute Thrillerstories ist.

Die Geschichte macht immer wieder den Anschein, als würden die Wege des Realen verlassen. Das Finale bringt eine ungeahnte Auflösung und offenbart die Vielschichtigkeit der wirklich gut konstruierten Story. Mit jedem nochmaligen Hören des Hörspiels offenbaren sich immer neue Züge, was großen Spaß macht. Weber hat außerdem die Gewohnheit, Begebenheiten links und rechts der Hauptgeschichte zu beschreiben, Kleinigkeiten, die einiges an Atmosphäre schaffen.
Die Dialoge charakterisieren die Figuren sehr genau. Einige Sätze klingen allerdings ein wenig gestelzt, würden so kaum von jemandem geäußert werden.

Die Sprecher_innen sind grandios. Die Texte, die ihnen durch Weber in die Hand gegeben werden, interpretieren sie sehr schön. Den Erzähler mit Gordon Piedesack zu besetzen ist eine verdammt gute Wahl gewesen. Allen anderen auf der Besetzungsliste nimmt mensch ihre Rolle vollkommen ab.

Wie schon in der ersten Folge und wahrscheinlich in allen weiteren werden Schnitt, Sounds und Musik von Dirk Hardegen gemacht. Diese Komponenten sind wieder gut geworden, trotzdem kommt im Vergleich zur ersten Folge nicht das gleiche Maß an Atmosphäre auf, was wirklich schade ist. Der Dialogschnitt ist dafür sehr gut gemacht.
Hervorzuheben ist auch die Musik. Ein sehr schönes Melodiemotiv zieht sich durch das gesamte Hörspiel, mal als leises Klavierstück, dann sogar im Hörspiel selber als zerbrechlich wirkendes Violinensolo, dann in zarter orchestraler Besetzung, freilich virtuell simuliert. Es scheint genau so labil zu sein, wie die nach und nach immer weiter zermürbten Geister der Protagonist_innen. Wirklich toll gemacht.

Fazit: Auch die zweite Folge hält das Versprechen, etwas anderes zu sein, als das, was es mittlerweile in hunderten Versionen auf dem Hörspielmarkt zu hören, zu kaufen und herunterzuladen gibt. Eine gut konstruierte Story paart sich mit grandiosen Sprecher_innen, einem solide produzierten Sound und wirklich schöner Musik. Doch genau so, wie der größte unter den kleinen Makeln der ersten Folge das Skript war, so kommt in Die 9mm-Erbschaft nicht so recht die Atmosphäre auf, die möglich und der Geschichte angemessen wäre. Trotzdem handelt es sich bei der zweiten Folge der Reihe Mindnapping um ein gelungenes Hörspiel, vor allem, wenn mensch bedenkt, dass es sich um die Erstveröffentlichung eines Newcomerlabels handelt. Das Potential zur Verbesserung, das es natürlich immer gibt, gibt den nachfolgenden Folgen den Raum, noch mehr zu überzeugen.
Wer also die 08/15-Produktionen der großen und kleinen Konkurrent_innen auf dem Markt langsam leid ist und dazu Fan von gut gemachten Thrillern, darf getrost zugreifen. Mindnapping 2 – Die 9mm-Erbschaft gibt es als CD bei pop.de zu erwerben (zum Vorteilspreis auch im Bundle mit der ersten Folge) und ohne Trägermedium in allen bekannten Downloadshops.

Bewertung: 12/15

(Übrigens wird die neue Serie auch live auf der Leipziger Buchmesse am Donnerstag um 12 Uhr in Halle 3 vorgestellt.)

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Narfland 1 – Der Weg durch Karth-Dian

Der Maler Leon Cartwright wird in jeder Nacht von seltsamen Träumen geplagt, in denen er ein merkwürdiges und fremdes Land sieht. Wie besessen beginnt er diese Bilder auf seiner Leinwand festzuhalten, nicht mehr in der Lage andere Dinge zu zeichnen. Das Leben um ihn beginnt immer mehr zu zerfallen. Als er schließlich keinen Ausweg mehr weiß und vor dem Scherbenhaufen seines Lebens steht, begegnet er einer mysteriösen und dunklen Gestalt. Diese Begegnung ist der Anfang einer abenteuerlichen Reise für Leon, die ihn an den Ort seiner Träume führen wird: Narfland.

Am 6. März, dem kommenden Sonntag also, veröffentlicht Sven Matthias zusammen mit Erdenstern und Hoerspielprojekt.de die erste Folge seiner Fantasy-Hörspielserie Narfland – schon wieder. Schon im August 2009 gewann „Der Weg durch Karth-Dian“ viele Fans, die über anderthalb Jahre auf eine Fortsetzung warten mussten. Zuerst produzierte Matthias die zweite Staffel seiner Science-Fiction-Serie Rick Future (die nicht minder erfolgreich war (und auf die bald die dritte Staffel folgen wird)). Jetzt hat er sich Narfland vorgenommen, um die auf fünf Folgen angelegte Serie weiter- und zum Abschluss zu führen. Um einen besseren Anschluss an die bisher unveröffentlichten Folgen zu gewährleisten wird die erste Folge am Sonntag in überarbeiteter Fassung veröffentlicht.
Doch was hat sich geändert verglichen mit der ersten Version? Hauptsächlich die Musik kommt neu daher. Ursprünglich hatte Alexander Gühlke für Matthias musiziert, jetzt zeichnet sich Erdenstern dafür verantwortlich, drei Musiker_innen aus Hamburg, die vor allem Konzeptalben für Rollenspieler_innen komponieren und produzieren. Schon die Zusammenarbeit in der zweiten Rick-Future-Staffel zeigte sich als äußerst fruchtbar. Ansonsten fanden noch einige Sprecher_innenwechsel statt, da die meisten aus dem Hörspielprojekt rekrutiert wurden und nicht mehr alle dort wie vor anderthalb Jahren aktiv sind. Diese Änderungen waren für Matthias Grund genug, alle Szenen noch einmal komplett durchzuproduzieren und überall weitere kleine Veränderungen vorzunehmen.

Die Geschichte natürlich die gleiche geblieben. Der Ankündigungstext beschreibt es schon ziemlich gut. Genau wie Leon Cartwright wird die Hörer_innenschaft nach einem kurzen Kennenlernen seiner Londoner Verhältnisse im Jahr 1899 in eine seltsame, düstere Welt geworfen und muss sich darin erst einmal orientieren. Das fällt gar nicht so leicht, alles ist fantastisch und geht unheimlich schnell. Da viel in dieser knappen Stunde Hörspiel passiert, hätte mensch es fast auf zwei Folgen aufteilen können, irgendwie ist das Einstiegsszenario im späten viktorianischen Zeitalter zu lang geworden, um schnell beiseitegewischt zu werden, zu kurz aber, um einen eigenen Abschnitt zu bilden.
Ansonsten ist die Welt, in die Matthias den Protagonisten stolpern lässt, erfrischend ungewohnt. Im Narflanduniversum stecken viele neue Ideen, die es stark von bisherigen Fantasyszenarien abgrenzen und die Welt unheimlich reizvoll machen. Die düstere Atmosphäre schreit geradezu nach einem Retter, der anscheinend Leon Cartwright ist – vollkommen wider Willen.

Die Sprecher_innen kommen größtenteils aus der freien Hörspielszene, darunter auch einige, die damit ihr Geld verdienen. Auf jeden Fall verfügen alle über einige Sprecherfahrung, was sich durchgehend positiv bemerkbar macht. Dabei sind beispielsweise Dirk Hardegen, Marie-Christin Natusch, natürlich Sven Matthias, Markus Raab und Roman Ewert. Karsten Kollmann gestaltet die Figur des Hobs wirklich schön und einzigartig.

Schnitt und Produktion sind gewohnt gut, schließlich hat Sven Matthias durch seine vielen Projekte einiges an Übung.
Hervorzuheben ist die großartig stimmige Musik von Erdenstern, fantasymäßige orchestrale Kompositionen mit einigen sanfen Elektronikeinflüssen, die sich mit den Geräuschen verbinden. Sie bring unheimlich viel Atmosphäre ins Hörspiel, lässt die düstere Welt Narflands durch die Ohren im Kopf auferstehen und macht sie fühlbar. Sie ist im Mix vielleicht etwas leise geraten und hätte im Gesamtsound wie auch in der Beziehung zu den Geräuschen und Dialogen durchaus noch mehr Entfaltungspotential.

Das Artwork stammt von Wolfram Damerius und gibt den Figuren nicht nur auch optisch ein Gesicht, sondern lässt sich gut auf die Farbthematik der Serie ein. Der Download wird sicherlich wieder ein komplettes CD-Coverset umfassen, das es reizvoll macht, sich Narfland nicht nur anzuhören sondern auch ins Regal zu stellen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Sven Matthias rundet es das große Ganze wunderbar ab.

Fazit: Narfland lässt eine_n in eine vollkommen ungewohnte, zunächst sehr düstere Fantasywelt voller neuer Ideen eintauchen. Die erste Folge neu zu produzieren war kein unbedingt notwendiger, aber verdammt guter Schritt. Sie macht Lust auf die Weiterführung der Serie, die auf dem Fuße folgen wird. Genau wie die neue erste Folge am 6. März, wird die zweite Folge am 13. März im Hoerspielprojekt Radio erstmalig öffentlich zu hören sein und am 14. März dann zum freien Download zur Verfügung stehen. Trotz der Güte der Produktion gibt es noch ein klein wenig Verbesserungspotential, was den Sound in Zusammenhang mit der Musik angeht, auch die Dialoge sind zwar immer auf dem Punkt, könnten aber noch mehr zur Atmosphäre des Hörspiels beitragen. Aber das ist Kritik auf sehr hohem Niveau.
Ich kann nur allen, vor allem Freund_innen des Phantastischen, empfehlen, am Sonntag bei der Premiere dabei zu sein bzw. sich die beiden ersten Folgen Narflands nach der Veröffentlichung herunterzuladen (den Link werde ich dann hier ergänzen).

Update: Alle bisher erschienenen Folgen gibt es hier zum freien Download.

Bewertung: 13/15

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